MM/MC Phono Vorverstärker Supra 2.0 von Elektor 1982 – Nachbau und Erweiterung

Kombinierte MD/MC Vorverstärker gibt es auf dem Markt sehr viele, die Qualität und Preise variieren da sehr stark. Die hier jetzt vorgestellte Lösung basiert mal wieder auf einer relativ alten Elektor Lösung aus dem Jahre 1982. Das PDF des Originalartikels ist hier Supra_MD_MC_1982_07_Elektor   eingefügt. Die Entwickler bei Elektor haben mit einfachen Mitteln ein sehr gutes Ergebnis erzielt. Im Laufe der Jahre wurde diese Schaltung auch durch weitere Anbieter leicht abgewandelt in den Verkehr gebracht, z.B. der Hormann SUPA.

Für die Stereo Lösung werden insgesamt benötigt:

  • 40 Transistoren BC550C/BC560C
  • 40 Widerstände
  • 4 Festspannungsregler
  • 16 Elkos
  • 12 Kunststoffkondensatoren
  • Spannungsversorgung (siehe unten)
  • 2 Platinen
  • Anschlußbuchsen etc….
Komplettschaltung Nachbau Supra 2.0
Komplettschaltung Nachbau Supra 2.0

Ursprünglich lässt sich durch Veränderung von zwei Widerständen (R1 und R14) die Empfindlichkeit der Schaltung an MM und MC Tonabnehmer anpassen.

Da es die Platinen von Elektor nicht mehr gibt, habe ich die Schaltung in Eagle ’nachgebaut‘ und einige Ergänzungen an der Gesamtlösung vorgenommen:

  1. Anpassbarkeit von C1/R1 und R14 über ein ‚Mäuseklavier‘
  2. Hinzufügen einer virtuellen Masse, um eine einfache  Versorgungsspannung (mindestens 29V eff. Wechselspannung entsprechend 41V gleichgerichtete Spannung )  in Form einen Trafos in einem externen Steckernetzteil verwenden zu können

Da ich in den Besitz zweier alter, von Hand erzeugter und bestückter Platinen entsprechend dem ursprünglichen Design gekommen bin, konnte ich relativ einfach die Qualität der Schaltung prüfen. Die war, wie zu erwarten, gut. Allerdings liegt die Schwierigkeit einer zufriedenstellenden Lösung nun auch wieder in der Realisierung der Gesamtlösung.

Folgende Probleme traten auf:

Brummeinstreuungen durch den Netzteil-Trafo

Die Nähe des Netztrafos zu den Platinen führte zu starken Brummeinstreuungen. Erst als ich das Netzteil mit +/- 18V relativ weit (mind. 50 cm) von den Platinen getrennt hatte, verschwand der Brumm.

In der Auslegung als MM Pre-Amplifier stellte sich das Problem als nicht so groß dar, aber bei Beschaltung als MC Pre-Amp war der Brumm doch sehr deutlich wahrnehmbar.

Drei Möglichkeiten der Spannungsversorgung !

Meine neu erstellten PCBs erlauben drei mögliche Lösungen für eine Spannungsversorgung:

Anmerkung: Bisher am besten (leisester Restbrumm) hat sich die Auslagerung des Netzteiles erwiesen -> Lösung 1

1. Zuführung von +18/-18V bis +35V/-35V duale Gleichspannung

2. Zuführung von ~13V  bis ~24V dualer Wechselspannung mit Mittenabgriff

3. Zuführung einer singulärer ~26V bis ~48V Wechselspannung und Verwendung von virtual Ground, bzw. Zuführung von 2 * ~26V bis ~48V um jedes Modul einzeln zu versorgen.

Zu 1.  duale Gleichspannung über ein externes Standardnetzteil

Wenn Option 1 verwendet wird, sollten die Komponenten aus Option 2 (Gleichrichtung) und Option 3 (Virtual Ground) nicht installiert werden.

In der ursprünglichen Schaltung werden +/- 15V DC erzeugt. D.h. mit einem Trafo mit 2*15 Volt bis 2 * 26 Volt Wechselspannung und anschliessender Gleichrichtung und Siebung ist man auf der sicheren Seite, da die Festspannungsregler 78L15 und 79L15 einen sicheren Betrieb zwischen 18V min. DC Input und 35 V max. DC Input liefern.

2. Zuführung von ~13V  bis ~24V dualer Wechselspannung mit Mittenabgriff

Achtung: Bei einer dualen Wechselspannung mit gemeinsamen Mittenabgriff darf die Virtual Ground Schaltung NICHT installiert werden

Folgende Komponenten zur Gleichrichtung und Siebung  werden bestückt:

  • D1, D2, D3, D4: Schottky Dioden 1N5189
  • R21, R22, R23, R24: 1,8 Ω
  • C10, C11, C15, C16: 22n
  • C19, C20: 10n
  • C21, C22 : 1000μF/ 35V Alu Polymer Elkos
  • C23, C24 : 100n
  • Fuse 20mm: 100 mA

    Gleichrichterschaltung
    Gleichrichterschaltung

Zu 3. Zuführung einer singulärer ~26V bis ~48V Wechselspannung

Zusätzlich zur Gleichrichterschaltung wird unten stehende Virtual Ground Schaltung installiert. Dieser kleine elektronische Zusatz ersetzt den Mittenabgriff aus Option 2.
Es wird eine Trafospannung mit mindestens 29V AC eff. und bis zu max. 48 V AC eff.  benötigt. Die Pufferelkos müssen die erzeugte Gleichspannung nach der Gleichrichtung ‚abkönnen‘ . Das bedeutet, das die Pufferellkos mindestens 35V DC Spannungsfest haben sollten.
Die Erzeugung einer dualen Spannung aus einer einfachen Trafowicklung wird durch eine kleine Zusatzschaltung mittels  ‚Virtual Ground‘ realisiert.

  • R25, R27: 1kΩ
  • R26, R28: 4k7
  • Q21: ZTX753
  • Q22: ZTX653
Virtual Ground Schaltung
Virtual Ground Schaltung

Für den Aufbau werde ich die Option 3 umsetzen, indem meine Platine dann vollständig bestückt wird.

PCB Board 'Supra 2.0 Nachbau' aus Eagle
PCB Board ‚Supra 2.0 Nachbau‘ aus Eagle

Als Trafo nutze ich einen 3,6VA Trafo der Fa. Gerth (387.48.2 )mit  2 * 24V~ nominal. Die Leerlaufspannung beträgt erstaunlicherweise 34 V AC je Wicklung. Ergibt ca.  34 V * √2 = 48V DC nach Gleichrichtung. Da virtual Ground verwendet wird, halbiert sich diese Spannung, so dass an IC1 und IC2 jeweils ca. 24 V DC anliegen. Da zwei Wicklungen vorhanden sind erhält jeder Kanal damit eine eigene komplette Spannungsversorgung (Dual Mono Aufbau).

Die Verbindung vom Steckernetzteil wird über ein XLR-4 poligen Buchsenstecker zum Phonoverstärker hergestellt.

Zuführung der 2 * 24V Wechselspannung über 4 poligen Neutrik Anschluß
Zuführung der 2 * 24V Wechselspannung über 4 poligen Neutrik Anschluß

Und noch der Vergleich zwischen Original und meiner Fälschung:

Original Supra 2.0 im Layout von Elektor, 1982
Original Supra 2.0 im Layout von Elektor, 1982

 

Meine 'Fälschung' mit den Erweiterungen für das Netzteil
Meine ‚Fälschung‘ mit den Erweiterungen für das Netzteil

Im reellen Einsatz zeigt sich in der MC Konfiguration ein Abfall hin zu den tieferen Frequenzen, der bereits bei ca. 200 Hz einsetzt.

Supra 2.0 MC an niedrigem Ausgangswiderstand
Supra 2.0 MC an niedrigem Ausgangswiderstand

Die Simulation:

In LTSpice habe ich eine Supra-2.0 Simulation erstellt und mit einer inversen RIAA Kurve angesteuert. Das optimale Ergebnis wäre ein gerader Frequenzgang. Dies ist leider  nicht der Fall – siehe Bild oben.
Die SUPRA 2.0 Schaltung habe ich mit einer Ausgangs-LAST von

      1. 100 K-Ohm
      2. 1 M-Ohm und
      3. 10 M-Ohm simuliert.

Als Eingangssignal verwende ich eine Inverse-RIAA Kurve (Laplace-Transformation). Bei exakter Entzerrung im VV müsste sich eine gerade Linie ergeben. Da der Entzerrer aber eine theoretische Abweichung von 0,8dB hat, ist eine Welligkeit zu beobachten. Allerdings geht die Kurve bei tiefen Frequenzen unter 150 Hz und einem niedrigen Lastwiderstand am Ausgang des Supra 2.0 deutlich in den Keller.
Die Simulation zeigt den Frequenzgang für die Verstärkung als MC-Amp (R14=27 Ohm). Die rosa Kurve stellt die Last 100K dar.
Nun sind 100K ja nicht gerade wenig, und die meisten folgenden (Vor)-Verstärker haben u.U. nur 47K-Ohm Eingangsimpedanz oder auch mal weniger.

Simulation der Originalschaltung MC, Last = 100K
Simulation der Originalschaltung MC, Last = 100K

Dieses Problem will ich durch einen nachgeschalteten Impedanzwandler lösen, und eine definierte Ausgangslast von 1 MegΩ festlegen.
Hinweise in diversen Foren zum Hormann-Supa deuten an, dass durch erhöhen von R15 der Frequenzgang bei tiefen Frequenzen angehoben werden kann.  Die entsprechende Simulation mit R15 = 165 kΩ (Originalwert 150 k) bei einer 1 MegΩ Last zeigt eine Korrektur des zu beobachtenden Abfalls tiefer Frequenzen. Siehe grüne Kurve unten.

Simulation für MC mit R15 = 165 k
Simulation für MC mit R15 = 165 k bei R1 Meg Ω

Die Abweichung von der RIAA Kurve mit diesen beiden Massnahmen beträgt dann nur noch 0,2 dB. Bei MM Konfiguration werden die tiefen Frequenzen stärker angehoben, aber immer noch im tolerierbaren Bereich von 0,6 dB Abweichung von der RIAA Kurve.

Die Realisierung

Für alle signalführenden Widerstände habe ich TAKMAN Metal Film Resistors bei Hifi-Collective in UK bestellt, da diese Widerstände induktionsfrei (anti-magnetisch) sind. Der Preis ist mit 0,55 € je Stück schon ziemlich teuer, aber ich hoffe damit, die Empfindlichkeit der Schaltung gegen Brummeinstreuungen zu reduzieren.

Für die Brückengleichrichtung der Wechselspannung setze ich Schottky Dioden 1N5189 ein, und zusätzlich ein Netzwerk mit 1,8 Ω Widerständen und 22n Kondensatoren, um Störungen der gleichgerichteten Spannung zu minimieren.

Zur Filterung und Glättung der Gleichspannungen kommen Alu-Polymer Elkos zum Einsatz, die gegenüber ‚feuchten‘ Elkos einen deutlich niedrigeren ESR aufweisen und auf Grund des Feststoff-Elektrolytes weniger altern als normale Elkos.

Über das Mäuseklavier lassen sich die variablen Bauteile für den Betrieb an MM oder MC Systemen einstellen.

R1 mit 56kΩ bleibt fest installiert. Zusätzlich dazu lassen sich über die Schalter 5 &  6 zwei Widerstände von 100 Ω und 1kΩ parallel schalten. Damit lassen sich Werte von 90 Ω, 100 Ω , 1 kΩ und 56 kΩ einstellen.

Über Schalter 7 & 8 lassen sich zwei Kondensatoren mit 100pF und 220 pF parallel schalten, so dass Werte für Cx von 100 pF, 220 pF und 320 pF möglich sind, um Magnetsysteme anzupassen.

Über die Schalter 1,2,3 und 4 lässt sich die Verstärkung der Schaltung mit R14 einstellen:

Schalter 4 allein liefert 270 Ω für Magnetsysteme, über die Kombination aller 4 Schalter lassen sich Werte von 10,5 Ω; 11 Ω; 15,5 Ω; 16,5 Ω; 29,5 Ω und 33 Ω einstellen, wodurch die hohe Verstärkung für MC Systeme einstellbar wird. (wie sich diese Werte auf die Verstärkung auswirken, folgt noch)

Die RIAA-Kurve bestimmenden Kondensatoren C4//C6 in Summe 6.600 pF und C5//C7 in Summe 20.000 pF habe ich mit meinem LCR Meter einzeln ausgemessen und damit eine Abweichung von deutlich unter 1% erreicht, so dass die Abweichung von der RIAA Kurve praktisch nicht existiert (Besser als 0,25 dB)

Für R15 werden zwei 330 kΩ Widerstände parallel geshaltet, so dass sich ein Wert von 165k ergibt.

Mit dieser Konfiguration ergibt sich dann ein sehr schöner Frequenzgang, hier mittels Rosa Rauschen von einer Testschallplatte im Vergleich zum Phono Pre eines NAD 1240:

Der Fremdspannungsabstand ist in meinem jetzigen Aufbau schon auf dem Level des NAD 1240, allerdings habe ich noch einen wahrnehmbaren 100 Hz Brumm.

Der Anschluß des Plattenspieler-Systems erfolgt direkt, ohne einen Koppelkondensator. Einige Hersteller, z.B. alte DUAL Plattenspieler, schalten die Systeme über bewegliche Kontakte, die durch den Supra 2.0 damit auch Teil der Schaltung werden. Dies führt zu hörbaren Schaltvorgängen. (die sich durch einen Koppelkondensator vermeiden lassen ?)

 

 

Back to the 90’s – AKAI GX-75 MKII

Wie es kam

Meine Töchter haben mir einen Riesenkarton mit Hörspielkassetten hinterlassen, nur leider habe ich kein standesgemäßes Abspielgerät dafür.  Die Suche nach den „besten“ Kassettendecks verwies dann auf das HiFi-Wiki .

In der Liste sind viele bekannte Namen wiederzufinden: Akai, Nakamichi, TEAC, usw. Viele der Geräte werden heute teurer gehandelt als damals neu im Laden. Die alten Helden müssen keine aktuelle Konkurrenz mehr fürchten, denn im Grunde gibt es keinen Markt mehr für Kassettenspieler, die digitale Medienkultur hat dem ein Ende bereitet.

Und doch…. so eine Kassette hat durchaus etwas anziehendes, analoges. Dem bin ich auch erlegen und konnte über Kleinanzeigen ein natürlich defektes AKAI GX-75 MK2 ‚ergattern‘. Der Defekt war schnell ersichtlich: Playback lief noch, Vor- und Rückspulen ging aber nicht mehr. Der Idler also.

Erfahrungen: Ersatzteile – woher ?

Im Internet gibt es viele Anbieter zu sehr unterschiedlichen Preisen für Idler, Andruckrollen und Riemen. Mein Erstversuch beim spanischen Lieferanten Van-Hurban war rausgeworfenes Geld. Die Qualität der Teile war nicht ausreichend, um die ursprünglichen Betriebsparamter (Gleichlauf) wieder herstellen zu können. Auch die Andruckrollen von FixYourAudio, die qualitativ deutlich besser sind und im Aussehen den Originalen entsprechen, haben es nicht geschafft, den Gleichlauf erfolgreich wieder herzustellen. Letzlich habe ich die alten Andruckrollen sorgfältig gereinigt wieder eingebaut. Zusammen mit einem weiteren neuen Capstanriemen und Idler von ‚phonohifishop‘ bei ebay ist es mir dann gelungen, die Geschwindigkeit und den Gleichlauf in die Nähe der ursprünglichen Parameter zu bringen.

Ersatzgummi

Ein umfassendes Kit mit dem Idler Ring, CAM Gummi und Capstan Flachriemen, sowie den beiden (unterschiedlichen) Andruckrollen war bei einem spanischen Versand schnell bestellt und nach ein paar Tagen auch im Hause.  Ein wenig kritisch betrachtet gefielen mir die Grate am Idlerring und der linken Andruckrolle erst mal gar nicht. Aber mit einer scharfen Nagelschere liessen sich die entfernen.

Das Zerlegen des Gerätes und der Ausbau des Motorblockes ist in vielen YouTube Videos dokumentiert und ließ sich von mir problemlos nachvollziehen.

Der Austausch des CAM Riemens und des Capstan Riemens war relativ einfach.

Der Capstan Antrieb mit dem alten Riemen
Der Capstan Antrieb mit dem alten Riemen

Idler-Ring

Zum Tauschen des Idler Rings lässt sich bei ausgebautem Motorblock die Trägerplatte des Idler nach Lösen der Spannfeder und Ausbau des linken Wickeldorns entnehmen. Der kleine Sprengring des Idlers muß mit größter Vorsicht gelöst werden, denn der ganze Mechanismus steht durch eine Druckfeder unter Spannung und katapultiert die Teile weit durch die Gegend, wenn man das Ganze nicht tunlichst von Außen zusammenhält.

Idler Ring - Alt (Schwarz) und Neu
Idler Ring – Alt (Schwarz) und Neu

Der alte Idler war deutlich verhärtet und ist beim Versuch, ihn aus dem Sitz zu hebeln, dann auch zerbrochen. Der neue Idler liess sich relativ leicht aufziehen. Zur Montage des Idlers auf der Trägerplatte habe ich die große Unterlegscheibe mit zwei Krokoklemmen fixiert, so dass die Druckfeder dadrunter weiter kein Unheil anrichten konnte.

Aufziehen des neuen Idler-Gummies
Aufziehen des neuen Idler-Gummies

Andruckrollen – Pinch Roller

Die  Andruckrollen auszutauschen war schon nicht ganz so einfach, denn die neuen Rollen haben einen Metallkern mit Kugellager, die alten Rollen einen Kunststoffkern. Die Abmessungen sind nicht identisch.

Linke Rolle

Der Durchmesser der Rolle beträgt 11 mm. Die neue linke Rolle hat ein höheres Gummi – 7,2 mm gegenüber dem Alten mit 6,5 mm, dafür ist die Höhe der Aufnahme mit  7,2 mm gegenüber dem Alten mit 8 mm aber zu flach und hat damit 0,8 mm Spiel auf dem Stift.

Dies habe ich mit einigen schmalen Unterlegscheiben versucht auszugleichen, so dass die Rolle nicht auf dem Stift wandern kann.

Rechte Rolle

Der Durchmesser der Rolle beträgt 13 mm. Die rechte Rolle hat ebenfalls ein höheres Gummi – 7,5 mm gegenüber dem Alten mit 6,5 mm. Die Höhe über Alles war mit 8,5 mm gegenüber dem alten mit 8 mm ebenfalls anders, allerdings mit einer ganz anderen Geometrie, denn eine Seite des Metallkerns steht ca. 0,5 mm über dem Gummi , während die andere Seite etwas eingesunken ist.

Ob das so sein sollte und aus welchem Grund hat sich mir bis heute nicht erschlossen. Jedenfalls habe ich die neuen Rollen dann mit viel rumprobieren auf die vorgesehenen Stifte installiert und mit den Sprengringen befestigt.

Der erste Test zeigte dann auch, das sich alles so bewegte, wie es sollte. Abhören und Spulen war in beide Richtungen wieder möglich. Eine Hörpielkassette zum Testhören eingelegt ließ auch die Geschichte erklingen. Aber vom Gefühl her waren die Stimmen nicht konsistent und schwankten in der Wiedergabe. Auch war bei eingelegter Kassette ein leichtes periodisches Schleifgeräusch zu hören.

Tools

Die Abgleichanleitung aus dem Service Manual gibt vor, eine Kassette AT751263 mit einem konstanten Sinuston von 3150  Hz abzuspielen und damit die Capstangeschwindigkeit zu justieren. Diese Kassette scheint es nicht mehr zu geben, wie übrigens auch alle anderen Tools, die im Service Manual von Akai für das GX-75 MKII/ GX-95 MKII vorausgesetzt werden.

Meßkassetten

Als Alternative habe ich mir einen Satz Kassetten von

aus der Bucht besorgt.  Die insgesamt 6 Kassetten bieten Hilfestellung bei den mechanischen und elektrischen Abgleicharbeiten.

    1. Vollspur-Pegeleinstellung bei 315 Hz, Bandfluss 250nWb/m entspricht einem Pegel von -2,1dB oder 606 mV
    2. Dolbyeinstellung 400 Hz Bandfluss 200nWb/m ANSI oder 218 nWb/m DIN
    3. Kopfhöheneinstellung 1 kHz (-10dB) – bespielter Rasen zwischen den Spuren
    4. Gleichlauftest 3150 Hz -10dB
    5. Azimutheinstellung 10 kHz -10dB Vollspur
    6. Frequenzgangmessung von 31,5 Hz – 18 kHz , 17 Bursts a‘ 12 Sek.

Nun kann man natürlich auf die Aussteuerintrumente vertrauen und danach versuchen, die Abgleicharbeiten mit obigen Bändern durchzuführen, aber das ist sehr unsicher. Denn ohne Frequenzgenerator, Oszilloskop und Millivoltmeter wird der Abgleich kaum korrekt gelingen.

Software statt Meßgeräte

Als günstige Alternative kann ich aber den Softwarenachbau eines legendären Meßgerätes, dem Nakamichi – T 100, empfehlen. Diese Software ist gegen eine geringe Gebühr im Microsoft Store unter dem Namen“NAK T-100″ verfügbar. Damit lassen sich fast alle oben aufgeführten Meßaufgaben über eine einfach zu bedienende PC Anwendung ausführen. Vorausgesetzt man verfügt über eine brauchbare Soundkarte und Messkassetten.
Auch hierbei gibt es wieder die ein und andere Falle, in die man tappen kann.

Die Soundkarte

Die Impedanzanpassung der Soundkarte und der angeschlossenen Geräte kann zum Glücksspiel werden. Ich verwende eine ESI Juli PCI Steckkarte. Angegeben ist deren Eingangsimpedanz mit ca. 10 KΩ. Die Ausgangsimpedanz des Line-Out vom AKAI GX-75 soll bei ca. 150 Ω liegen. Also sollte man davon ausgehen können, dass beim Anschluß des Tapes an den Eingang der Soundkarte der Wert der Ausgangsspannung nicht beeinträchtigt wird. Soweit die Theorie. In der Praxis sieht es so aus, das die Ausgangsspannung regelrecht zusammenbricht, und zwar von 386 mV auf 278 mV.  Wenn man damit dann in der Software die Werte zur Justage des Tapedecks verwenden möchte, hat man mit Sicherheit keinen Erfolg.

Wie habe ich dieses Problem gelöst ? Ich verwende nicht den Line-Out Anschluß sondern stattdessen den Kopfhörerausgang des Tapedecks. Der KH Ausgang lässt sich mit dem Volumeregler des Tapedecks leicht anpassen. Ich habe die Ausgangsspannung des KH Ausgangs auf 388 mV. , bei einem Eingangssignal von 70 mV, eingestellt. Diese 388mV liegen auch am Line Out an. Bei Anschluß an den Eingang der Soundkarte bleibt der Wert stabil, denn der KH Ausgang hat eine Impedanz von 8 Ω. Darüber hinaus lässst sich so auch ein Versatz zwischen der ausgegebenen Spannung und dem angezeigten Spannungswert in der Anwendung im PC ausgleichen. So lässt sich z.B. die am Eingang der Soundkarte (mit Millivoltmeter gemessener Wert von 388 mV) in der Anwendung „hinjustieren“ indem der Volumeregler des KH im Tapedeck auf den real existierenden Wert von 388mV in der Anwendung eingestellt wird.

Justieren der Software für Messungen am Tapedeck

 

 

 

Korrektur elektronischer Fehler

C502 als Pufferkapazizät für IC 501

Auch die Ingenieure bei Akai waren nicht ganz perfekt. Es gibt einen echten Fehler in der Schaltung .

Das IC 501 hat zwei Pufferkondensatoren C501 und C502 auf der positiven und negativen Versorgungsspannung. C502 ist auf der Platine falsch herum gedruckt, so dass der Pluspol des Kondensators an der negativen Versorgungsspannung anliegt. C501 und C502 sind je 22uF/10V Elkos. Ich habe beide Kondensatoren gegen Würth 22 uF/35V Polymerelkos ausgetauscht.

In den beiden Dolby-Schaltungen mit dem Schaltkreis CX20187 sollte man 6 Elkos durch ungepolte Kondensatoren ersetzten.  Sony empfiehlt im Datenblatt vom CX20187 für diese Kondensatoren eine Toleranz von 5%, was mit Elkos schwer zu realisieren ist. Akai hat für diese Werte Elkos verwendet, obwohl diese Wertebereiche in der Regel mit ungepolten Kunststoffkondensatoren realisiert werden und auch im Sony Design vorgesehen sind.

Die 6 Elkos sind im Servicemanual des AKAi GX-75 MKII mit folgenden Werten angegeben:

      1. C306, C306‘ = 470 nF oder 0,47 uF
      2. C307, C307‘ = 150 nF oder 0,15 uF
      3. C309, C309‘ = 220 nF oder 0,22 uF

Ich habe aus meinem Bestand obige Kondensatoren mit dem Rastermaß 5 mm von WIMA von Hand selektiert, so dass die Abweichung zwischen den Kanälen und zu den Sollwerten besser als 2% sind.

Überprüfen des Gleichlaufs

Messung des Gleichlaufs mit Referenzkassette
Messung des Gleichlaufs mit Referenzkassette

Der Gleichlauf lässt sich am PC mit der NAK T-100 messen. Dafür erforderlich ist eine Referenzkassette mit einem Testton von 3000 Hz oder 3150 Hz. Eine solche Kassette ist in dem Satz von Hans-Peter Roth enthalten. Die Geschwindigkeit verändert sich in engen Grenzen mit +/- 3 Hz über die gesamte Abspieldauer der Kassette. Man macht alles richtig, wenn man die Geschwindigkeit in der Mitte, also bei etwa gleichen Wickeln auf dem linken und rechten Dorn, auf 3150 Herz einstellt. Die Gleichlaufschwankungen liegen im Bereich der urprünglich von Akai angegeben Grenzwerte.

Kopfarbeiten

Im Idealfall stimmt die Kopfgeometrie. Die Überprüfung und ggf. dann erforderliche Justage ist mit äußerster Vorsicht durchzuführen. Wenn der Kopf erst einmal richtig verstellt ist, lässt er sich kaum mit den verfügbaren Mitteln wieder korrekt einstellen.

Voraussetzung für den nach Service Manual durchzuführenden Abgleich ist die korrekte mechanische Einstellung von Antrieb und Kopfgeometrie.  Stimmt in der Mechanik etwas nicht, lässt sich dass durch den Abgleich auch nicht korrigieren.

Abgleicharbeiten laut Servicemanual
Abgleicharbeiten laut Servicemanual

Für die finale Einstellung der bandsortenspezifischen Vormagnetisierung und Wiedergabelevel (Punkte 9, 10, 11 und 12 aus der Liste oben) bin ich wie folgt vorgegangen. Ich verwende für die drei Typen Fe, Cr und Me folgende Hersteller/Typen:

Maxell UD1 für Ferro, TDK-SA für CrO2 und TDK MA für Metall.

  1. Ferro-Normalkassette einlegen, Vr701, Vr701b, Vr751, Vr751b auf Mittelstellung drehen
  2. Calibration Button drücken, Front BIAS und Levelregler auf Mittenstellung
  3. Vr701 und Vr751 /b so einstellen, das die Calibration bei 0dB steht
  4. Crome-Kassette einlegen, Calibration Button drücken, und prüfen, ob die 0dB Einstellung über den Regler Vr722 eingestellt werden kann
  5. Metall-Kassette einlegen, Calibration Button drücken, und prüfen, ob die 0dB Einstellung über den Regler Vr723 eingestellt werden kann
  6. Dieses Vorgehen iterativ wiederholen, bis alle drei Kassettentypen in etwa gleich gut eingestellt sind.

 

 

 

 

 

Messung von Tonabnehmer und Vorverstärker mit Testschallplatte – Rosa Rauschen

In diesem Beitrag will ich kurz einen praktischen Weg vorstellen, die Abstimmung von Plattenspieler, Tonabnehmersystem und Entzerrer-Vorverstärker mit ein wenig PC-Meßtechnik zu vereinfachen, bzw. den Erfolg der Abstimmungen zu überprüfen.

Was wird dazu benötigt:

  1. Eine Meßschallplatte mit Aufnahme von Rosa Rauschen, ich verwende ein Produkt von RMS Audio – Klangerlebnis pur
  2. Tonarmwaage, z.B. eine digitale Waage von Proster, PST052.
  3. VTA und Azimuth Lehre (Gauge) – eine Plexiglas Lehre zur Ausrichtung des Tonarms horizontal und vertikal.
  4. Eine gute Soundkarte mit RCA/Cinch Ein- und Ausgängen
  5. Verschiedene PC-Programme zur Analyse von Audiosignalen:
    1. Software Oszilloscope
    2. Frequenzganganalyser. Ich nutze JustOct und JustDisp vom HiFi-Magazin, aber auch REW, Audacity oder ARTA sollten dafür funktionieren. ARTA wird zwar vom Entwickler nicht mehr gepflegt, ist dafür aber als Freeware im Internet verfügbar
    3. Anpassbarer Phono-Vorverstärker für MC und MM Systeme. Für mich verfügbar sind folgende Geräte:
          1. Pro-Ject Phono Box S2
          2. NAD 1240, NAD 3020
          3. Elektor ‚The Preamp‘
          4. QUAD 66 (MC-Version)
          5. WIIM Ultra Vorverstärker
          6. Elektor SUPRA 2.0

Die Plattenspieler und Tonabnehmersysteme

Mir stehen zwei Plattenspieler zur Verfügung:

  1. WEGA 3432 – ein DUAL CS 601 im stabilen WEGA Gehäuse mit MM System
  2. Pro-Ject RPM 5.1 mit Ortofon MC System

Ein WEGA 3432/DUAL CS 601 mit  MM System Ortofon M20 E

Nach Erneuern des Riemens,  des Steuer-Pimpels und Dämpfen des Tonarmliftes mit neuem Silikonöl funktioniert dieser 1975/1976 gebaute Plattenspieler DUAL CS 601 mechanisch wieder wie vorgesehen.  Die Abstimmung des Tonabnehmers mit dem Vorverstärker erfolgt durch Einspielen des Ausgangssignals aus dem Vorverstärker in den PC über den Eingang meiner Soundkarte (eine ESI-Juli XT). Auf der Schallplatte gibt es ‚Test mit Rosa Rauschen‘ dessen Kurve mit JustOct aufgenommen wurde und mit JustDisp ausgewertet werden kann. Sehr schön ist die Funktion, mehrere nacheinander aufgenommene Kurven mit JustDisp gleichzeitig darzustellen und Vergleiche anzustellen.

Rosa Rauschen - Frequenzgang des DUAL M20 E Systems am Pro-Ject S2
Rosa Rauschen – Frequenzgang des DUAL M20 E Systems am Pro-Ject S2

Für mich liefert der Abschluß des Vorverstärkers mit 220pF das beste Ergebnis.  Neben dem Zusammenspiel von TA-System und Vorverstärker muss auch das TA-System und der Tonarm mechanisch justiert werden.  Dazu wird sowohl die horizontale als auch vertikale Ausrichtung geprüft und ggf. justiert. Wichtig ist, dass die Abtastnadel  vertikal exakt senkrecht in die Rille eintaucht.
Mit der VTA & Azimuth Gauge lassen sich beide Parameter messen.

Tonarm Ausrichtung horizontal justieren
Tonarm Ausrichtung horizontal justieren
TA-System Ausrichtung vertikal justieren
TA-System Ausrichtung vertikal justieren

Das Datenblatt des Ortofon M20 E gibt eine Auflagekraft von 0,5p – 1,2p an. Die Nadel hat die Bezeichnung DN350, mit elliptischem Schliff. Für die höchste Pegelabtastung habe ich eine Auflagekraft von 1,38g eingestellt. Mit dieser höher als empfohlenen Auflagekraft werden auch 70μm bei Sinus 300 Hz noch ohne Verzerrungen sauber wiedergegeben, was sich mit dem Software Oszilloscope sehr schön überprüfen lässt.

Ein Pro-Ject RPM 5.1 mit Carbon Tonarm und Ortofon Salsa MC System

Die Daten des Ortofon Salsa MC zeigen, dass es sich um ein „Low Output“ Moving Coil System handelt. Die Ausgangsspannung liegt bei lediglich 0,38 mV, im Vergleich zum M20E mit ~ 4mV, also um den Faktor 10 geringer, was aber typisch ist für MC Systeme. Dafür ist der Innenwiderstand des MC Systems aber ebenfalls sehr gering, so dass die Kapazität der Anschlußleitung und die Eingangskapazität des Vorverstärkers keine Rolle spielt. Dagegen sollte der Eingang des Vorverstärkers mit ca. 100 Ω abgeschlossen werden.

Ortofon Salsa mit Rosa Rauschen an verschiedenen Abschlußwiderständen
Ortofon Salsa mit Rosa Rauschen an verschiedenen Abschlußwiderständen

Die Messreihe zum optimieren des Abschlußwiderstandes ist oben zu sehen. Am Preamp sind Widerstände von 20Ω, 50 Ω, 100 Ω und 1 kΩ über ein Mäuseklavier zuschaltbar. Ich habe mich für die Kombination aus 100 Ω und 1 kΩ entschieden, im Ergebnis also 90 Ω.
Darüber hinaus habe ich auch die verschiedenen verfügbaren Vorverstärker ausgemessen. Beeindruckend, wie konsistent die unterschiedlichen Geräte mit dem MC System sehr ähnliche Widergabekurven erzeugen.

Ortofon Salsa an verschiedenen Vorverstärkern
Ortofon Salsa an verschiedenen Vorverstärkern

Lediglich der WIIM Ultra in der Einstellung MC Phono Eingang lässt die Höhen entgegen meiner Referenzkurve vom Elektor Preamp deutlich abfallen.
Aber das lässt sich durch die hervorragende Funktionalität des WIIM Ultra mit einigen wenigen Einstellungen in der zugehörigen App leicht anpassen.
Im WIIM Ultra lassen sich verschiedene Parametrische Equalizer  (PEQ) Einstellungen erzeugen, abspeichern und den einzelnen Eingangsquellen zuordnen. Zur Anhebung der Höhen habe ich einen High Shelf (HS) ab 200 Hz mit +3.0 dB und einer Güte(Q) von 0.1 eingestellt. Dadurch ergibt sich aber eine Überhöhung bei 50 – 400 Hz, die ich durch  eine negative Glockenkurve (PK) mit -2 dB bei 100 Hz und einer Güte (Q) von 0.1 eliminiert habe. Das Ergebnis ist unten in der grünen Kurve zu sehen.

 

 

 

 

 

 

 

Restek Preamp V2 Reparatur und Upgrade

Im Laufe der letzten Monate habe ich eher durch Zufall mehrere Geräte der Firma Restek ins Haus bekommen. Es begann mit den Restek-Thorens Minimodulen, über die ich einen Beitrag erstellt habe.                    Danach habe ich in ebay zufällig einen Restek Sixtant gefunden, der defekt war, und für eine relativ geringe Summe in meinen Besitz gelangte.  Der in diesem Beitrag behandelte Vorverstärker Restek Preamp V2 wurde mir durch Frank B. angeboten.  Er war durch meine Webseite auf mich aufmerksam geworden, und fand, dass auch ein defekter Preamp V2 zu schade wäre, um ihn einfach zu entsorgen. Ob ich dieses Gerät denn haben wolle, um es wieder zum Leben zu erwecken ?

Klar wollte ich….

In der Gewissheit, daß der Inhaber der Firma Restek, Adrianus Elschot, auf sehr nette und flotte Weise Unterstützung leistet, wenn man denn freundlich fragt (info@restek.de) habe ich dort um ein Servicemanual oder Schaltplan gebeten und auch prompt einen Schaltplan erhalten. Den werde ich hier aber nur auszugsweise veröffentlichen, denn er ist geistiges Eigentum der Fa. Restek.

Im Internet ist über das Modell Preamp V2 relativ wenig zu finden. Es gibt kaum verwertbare Informationen darüber. Aber worauf ich hinweisen will: Für fast alle jemals bei Restek produzierten Geräte existiert ein Programm zur ‚Wiederbelebung‘. U.a. für die Vorverstärker Preamp V1, V2 und V2a bietet die Firma Restek einen Upgradeservice an!      Und das für Geräte, die Anfang der 1980er Jahre auf den Markt gekommen sind. Das nenne ich wirklich nachhaltig und ganz in meinem Sinne.

Aber zurück zu Frank B.’s Preamp V2. Wie unten zu sehen ist, lassen sich neben Tuner, Tape und Phono (magnetisch) weitere 2 Geräte anschliessen.  In Ermangelung einer Bedienungsanleitung kann ich hier nicht alle Funktionen erklären. Ein wenig Licht ins Dunkel bringt ein Sonderdruck des Magazins Audio aus dem Jahre 1979. AUDIO_V2_1979

Frontansicht

Die Bauteile sind mir schon aus der Bearbeitung der Minimodule positiv aufgefallen: Extrem hochwertige und stabile Bedienelemente sowie wertige vergoldete Ein- und Ausgänge. Das Konzept des abgesetzten Netzteiles zur Minimierung von Störquellen im Gerät wurde damals konsequent umgesetzt. Leider ergab sich hier auch die Fehlerquelle für den Ausfall des Gerätes. Die Steckverbindung, im besonderen der Stecker der Spannungszuführung mit der gleichgerichteten Spannung auf der Rückseite des Gerätes, hatte nur noch schlechten Kontakt. Durch Austausch des Steckers ließ sich der VV schon mal wieder einschalten.

Über die Jahre etwas erschlaffte Buchse für die Spannungszuführung

Im weiteren Verlauf der Reparatur habe ich die Verbindung zwischen externem Netzteil und Vorverstärker dann komplett neu hergestellt.

Das Netzteil

Die Schaltung des Netzteiles

Netztrafo 12W, 2*15V

Das vorhandene Netzteil scheint nicht das Originalteil zu sein. In diesem speziellen Fall ist das Netzteil mit einem 12 W Trafo mit 2 * 15V AC aufgebaut. Wie im Schaltplan zu sehen, wird daraus eine Gleichspannung erzeugt, die durch eine 5W Zenerdiode (1N5366) auf einen Wert von 39V DC begrenzt wird. Danach geht es per dünnem zweiadrigen Kabel über obigen Stecker an der Rückseite des VV in das Gerät. Dort erfolgt dann die Aufbereitung der Betriebsspannung für die ICs (30V DC) und die Relais (24V DC) mit dem Stabilisierungsbaustein uA723.

Nachdem das Netzteil und die Verbindung zum Gerät wieder instand gesetzt waren, zeigte ein Funktionstest, dass die Line-Eingänge gut funktionierten, es aber Probleme im Phono Teil gab.

Eine erste Messung (hier Intermodulationsverzerrungen) zeigte dann doch gravierende Unterschiede zwischen den beiden Kanälen im Line Verstärker.

Intermodulationsverzerrungen im Line Verstärker

Um es vorweg zu nehmen: Der von mir durchgeführte Upgrade hat die Fehler und Alterungserscheinungen im Gerät beseitigt. Im folgenden Bild ist schon das Ergebnis quantitativ zu sehen:

IMD nach Upgrade des Gerätes

und in Zahlen

Messungen vor und nach dem Upgrade

Durchführung der Reparatur und Upgrade

Ich habe mich nicht lange mit intensiven Ursachenforschungen herumgeschlagen. Mein Vorgehen war schon festgelegt, bevor ich den VV überhaupt in Händen hatte:

  1. Austauschen aller Elkos – Aluminium, besonders aber Tantal-Typen – gegen gleichwertige, aber qualitativ bessere Polymer Elkos. Das soll insbesondere dem Signalverhalten zu Gute kommen.
  2. Austausch der signalverabeitenden ICs vom Typ NE5534AN. Hier beschränke ich mich allerdings auf die relevanten Phono- und Line-Verstärker.
  3. Intensive Reinigung der Platine, der Anschlüsse, Schalter und ggf. Potis.

Austauschen aller Elkos

Die Elkos kommen je Kanal einmal vor, das heißt, es werden alle aufgeführten Kondensatoren zweimal benötigt. Insgesamt 25 Stück.

C1    -15u/25V Würth Polymer
C3   -47u/35V Würth Polymer
C10 -220u/25V Panasonic Polymer
C28 -22u/35V Würth Polymer
C33 -4,7u/63V WIMA MKP
C50 -100u/25V Würth Polymer
C52 -4,7u/63V WIMA MKP
C55 -100u/25V Würth Polymer
C56 -47u/35V Würth Polymer
C58 -470u/25V Panasonic Polymer
C67 -47u/35V Würth Polymer
C75 – 100u/25V Würth Polymer
Cxx – 100u/25V Würth Polymer (1*)

Original Elkos & Tantals Phono Teil

Elkos und Tantals im Kopfhörerverstärker

Elkos & Tantals im Lineverstärker

Beim Nachmessen der ausgebauten Elkos war ich denn doch etwas überrascht: Nicht einer der alten Elkos oder Tantals zeigte Werte abseits der Spezifikation. Sollte diese Aktion jetzt doch keinen Erfolg zeigen ?

Austausch der signalverabeitenden ICs

Bei dieser Aktion habe ich mich dann doch selbst beschränkt.
Aus dem Schaltplan geht hervor, das es insgesamt vier funktionale Module auf dem Mainboard des VV gibt:

  1. Phonoverstärker mit IC1-L und IC1-R vom Typ NE5534AN
  2. Treiber für den Tape-Out Anschluß mit IC4-L und IC4-R vom Typ NE5534N
  3. Kopfhörerverstärker mit IC7-L und IC7-R vom Typ NE5534N
  4. Line-Verstärker mit IC8-L und IC8-R vom Typ NE5534AN

Für mich relevant sind erst einmal die Phonosektion und der Line Verstärker. Im Phonoteil habe ich (weil vorhanden) zunächst einmal OPA227 ICs eingesetzt. Dies hat dann direkt dazu geführt, das beide Kanäle eine korrekte RIAA Kurve wiedergegeben haben, was vorher nicht der Fall war. Also war eines der ausgebauten ICs defekt.

Im Line-Verstärker habe ich dagegen ICs von National Semiconductor vom Typ LME49710 eingesetzt, wurden auch von Texas Instruments hergestellt.

Beim Reinigen der Platine sind mir dann auch einige verdächtige Lötstellen und Leiterbahnen aufgefallen, die ich entsprechend nachgelötet bzw. durch Drahtbrücken verstärkt oder eine ‚Umleitung‘ gelegt habe. Auch zeigte das Lautstärkepoti ein unerklärliches Regelverhalten. Mein Ohmmeter zeigte am Massepin des Potis noch einen Widerstand von ca. 8 KOhm an. Das wurde natürlich durch eine Drahtbrücke direkt gegen den Sternpunkt der Masse korrigiert.  Ganz zum Schluß ist mir beim ’spielen‘ mit meinem Multimeter dann aufgefallen, dass die Phono Eingangsbuchse des rechtens Kanals gar keine Masseverbindung mehr hatte.

Neue Spannungszuführung

Anpassungen des Netzteils

Die permanente und sinnlose Verpulverung an Energie in der Zenerdiode (39V) im Netzteil hat mich gestört. Die ZD muss einiges an Energie vernichten, was nur in Wärme umgesetzt wird. Daher habe ich eine andere Stabilisierungsschaltung installiert.

Zum Einsatz kommt eine Standardschaltung des LM317T, regelbarer Spannungsregler für positive Spannung zwischen 1,25 und 37V. Mit der richtigen Beschaltung kann der Baustein aber auch Spannung bis zu mehreren Hundert Volt stabilisieren.

Entscheidend ist das Verhältnis von R1/R2. Bei den genutzten Werten ergibt sich eine Spannung von 39,8 V.

Das scheint im Aufwand jetzt doppelt gemoppelt, denn im Restek VV regelt ein ua723 die Spannung auf + 30V für die ICs.

Aber warum nicht.

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann ich feststellen, dass bei so alten Geräten immer mehrere kleine Fehlerchen dazu führen, das die Spezifikationen des Gerätes nicht mehr eingehalten werden. Es war z.B. noch möglich, Platten über den Phonoverstärker wiederzugeben, obwohl die Buchse des rechten Kanals keine Masseverbindung mehr hatte, weil diese Verbindung durch die Verkabelung im Plattenspieler über den linken Kanal erfolgt ist. Auch die Lautstärke liess sich noch regeln, allerdings nicht ganz gegen Null, und mit seltsamen Aussetzern.

Da die ausgebauten Kondensatoren alle noch innerhalb der Spezifikation waren (Kapazität und ESR sahen gut aus) vermute ich, dass ein Großteil der verschlechterten Werte auf schlechte Kontakte bzw. fehlende Masseverbindungen zurückzuführen sind.

In weiteren Aktionen werde ich mir noch mal das Verhalten der Relais ansehen und die ICs  OPA227 und LME49710 versuchsweise gegen ICs vom Typ OPA1611 austauschen.

 

Update vom 17.02.2024:

Der Austausch der Relais vom Typ OMRON G2V-2, DC24 ist jetzt erfolgt. Nach einigem Suchen und Vergleich der Parameter habe ich mich für die Relais von American Zettler AZ822-2C-24DSE entschieden. Von der Bauweise sind sie mit den Omron wohl identisch, allerdings ist der Strombedarf der AZ822 deutlich geringer als der G2V-2: Statt 500 mW werden nur 200 mW je Relais benötigt. Das spart in Summe bei drei Relais 1 Watt Belastung des Reglerbausteins uA723.

Austausch der Relais gegen AZ822-2C-24DSE

Die AZ822 sollen darüber hinaus auch goldlegierte Kontakte und einen geringen Kontaktwiderstand von kleiner 50 milliOhm haben.

Die große Überraschung ergab sich nach abschließenden Messsungen nach dem Austausch der Relais.

Vergleich der Opamps 17.2.2024

Meine Entscheidung zur Wahl des OPA1611 habe ich jetzt revidiert und stattdessen den OPA604 für die Line Sektion eingesetzt. Es scheint, daß nicht alle Opamps ohne Probleme mit der Single-Voltage Implementierung des Restek V2 zusammenpassen.

Hier noch einmal der Grund für meine Entscheidung zum OPA604:

OPA1611 gegen NE5534AP und OPA604

OPA1611 auf Adapter in der Line Sektion

Opamp OPA604 aktueller Favorit (17.02.2024)

In der Phono-Sektion hatte ich OPA227 installiert. Die funktionierten soweit auch. Die OPA1611 funktionieren in der Phono Schaltung leider nicht. Ein Schritt zurück auf die ursprünglich installierten NE5535AN zeigt dann wieder beste Meßwerte, so daß ich in der Phono Sektion bei diesem OPAMP bleibe.

NE5534AN bleibt in der Phono Sektion

Nach meiner subjektiven Meinung ist der Klang des Vorverstärkers jetzt ganz hervorragend, auch zum Beispiel im Vergleich zu meinem NAD 1240 Vorverstärker .

Der Restek Preamp V2 hat eine bessere räumliche Wiedergabe. Die Sänger und Instrumente lassen sich wie festgenagelt im Raum lokalisieren. Dies mag auch daran liegen, dass sich im Restek Preamp die Ausgangspegel der Kanäle durch kleine Trimmer auf exakt gleiche Werte einstellen lassen.

Update vom 05.03.24:

Nachdem ich den NAD 1240 mit einem OPA1656 ‚upgegraded‘ habe, gilt die obige Aussage nicht mehr. Der NAD1240 klingt jetzt doch mindestens gleich gut, wenn nicht gar besser, aber ……. was beim NAD1240 gut funktionierte, könnte ja auch beim Restek VV helfen.

Einsatz von OPA1655

Ich habe jetzt alle ICs mit dem OPA1655 ersetzt. Die Messwerte sind sehr gut, im Vergleich zu OPA1656 im NAD 1240 sogar teilweise deutlich besser:

Restek Preamp mit OPA1655

Sowohl die Messwerte als auch der Hörvergleich zeigen eine hohe Qualität beider Geräte nach den Upgrades, obwohl die Messungen für THD und IMD beim Restek VV besser aussehen. Das Rauschverhalten des Restek ist etwas schlechter, auf dem Niveau sind das aber wirklich nur Nuancen.

 

 

 

Restek Thorens Minimodules

Thorens Restek MInimodule Prospekt
Thorens Restek Minimodules Übersicht

Mir sind drei der Thorens Restek Minimodule zugelaufen:

  • MPA-5 Vorverstärker mit MM Phonoteil
  • MHA-5 Kopfhörerverstärker
  • MLC-5 Umschalteinheit

Die Kombination aus MLC-5 Umschalteinheit gefolgt vom MPA-5 Vorverstärker reicht bereits aus, um eine vollständige, High-End Ansprüchen genügende Vorverstärkerkombi aufzubauen. Gefolgt von z.B. einem QUAD 405 PowerAmp und einem Pärchen Dynaudio Audience 50, oder besser noch die originalen Quad 57 Elektrostaten,  lässt sich schon sehr schön Musik hören. Wer dann noch die Vorzüge eines guten Kopfhörers nutzen will, hängt noch den MHA-5 zwischen MPA-5 und dem Endverstärker.

MLC-5, MPA-5 und MHA-5 nach Wiederherstellung

Vom Gehäuse her haben sich die Entwickler damals nicht besonders viel Arbeit machen müssen. Sie haben einfach Alu Profile im Maß 100 mm * 50 mm in 260 mm lange Stücke geschnitten und die Elektronik per ‚Einschub‘ dadrin untergebracht. Vorne die Volume-Potis  und Drehschalter dran und hinten die Buchsen für Eingang und Ausgang sowie externe Verbindung zum Wechselspannungstrafo dran, und fertig ist das High-End Gerät. Sehr servicefreundlich, denn zum Ausbauen müssen nur jeweils zwei Schrauben an der Unterseite entfernt werden.

Die Beschichtung des Gehäuses bestand aus mattschwarzem Strukturlack, so dass auch keine aufwendige Vorbehandlung der Aluoberfläche notwendig war.

Die oben abgebildeten Geräte wurden mit schwarzem Seidenmattlack sowie zweifach mit Klarlack neu lackiert und anschließend poliert.

Da ich kein Lackierprofi bin, sieht man kleine Macken, aber wohnzimmertauglich sind die Geräte jetzt wieder.

Technische Daten Thorens Restek Minimodule

Minimodule Kombinationen 1

Minimodule Kombinationen 2

Minimodule Kombinationen 3

 

Der Vorverstärker mit Phonoteil (MM) MPA-5

Frontansicht MPA-5 mit Volumeregler und Quellenwahlschalter

Die Geräte wurden sorgfältig gereinigt und das Aluprofil-Gehäuse mit schwarzem Seidenmattlack mit 2 fachem Überzugklarlack neu lackiert.

Rückansicht des MPA-5 mit RCA/Cinchbuchsen, vergoldet und Wechselspannungszuführung

Innenansicht des MPA-5 mit Drehschaltern und ALPS Lautstärkepoti

Innenansicht des MPA-5 mit NE5534AN Operationsverstärkern

Defekte Netzteilkondensatoren wurden gegen Roederstein und Panasonic FC Typen ausgetauscht

Die Pufferkondensatoren hatten einen klaren Kurzschluß

Umschalteinheit MLC-5

Umschalteinheit MLC-5 , Vorderansicht

Umschalteinheit MLC-5, Rückansicht

Umschalteinheit MLC-5, Innenansicht

Hochwertige Schalter der MLC-5

Kopfhörerverstärker MHA-5

Vorderansicht des MHA-5 mit ALPS Lautstärkepoti

Rückansicht des MHA-5 mit Wechselspannungsversorgung

Innenansicht des MHA-5

Innenansicht mit ICs NE5534AN und komplementärer Transistorstufe