Analyse:
- Anschlußkabel benötigt ein 4-Pol XLR Female Stecker, asymmetrisch beschaltet
- Beide Boxen gehen nach dem Einschalten in den Standby (Rote LED)
- Beide Boxen schalten bei Signal ein (Grüne LED)
- Eine Box gibt das gesamte Spektrum wieder, alle drei Chassis arbeiten
- Eine Box hat keine Wiedergabe auf dem Hochtton Chassis
Ursachenforschung:
Nach öffnen der ‚defekten‘ Box bietet sich folgendes Bild:
- Beide Sicherungen (3,15A F) auf dem MEV 5 Modul für den Hochton fehlen
- Die Hochspannung (280V) fehlt
- Die Schwingspule des Hochton Chassis hat keinen Durchgang (unendlich), sollte im Normalfall 2,6 Ohm Widerstand messbar sein.
Behebung:
Defekte Schwingspule:
Durch Lösen der 4 Schrauben auf der Frontplatte des Hochtöners lässt sich die Frontplatte vom Magneten trennen und damit die Schwingspule aus dem Luftspalt heben und inspizieren. Rein optisch sieht dort alles gut aus. Es waren keine Brüche oder Überhitzungen bzw. Schmorstellen zu sehen.
Eine genauere Inspektion der Zuleitungen zur Schwingspule auf der Frontplatte zeigte verdächtige grüne Verfärbungen an der Sicke bei der Übergangsstelle vom sehr feinen Anschlussdraht zur Schwingspule. Schon ein leichtes Antippen dieser dünnen Zuleitung machte deutlich, dass dieser sehr feine Draht nicht mehr mit der Schwingspule verbunden war.
Mit Lupe, Nadel und feiner Pinzette ließ sich der grünliche Belag um die Übergangsstelle herum entfernen und das relativ starre Ende der Schwingspule ca. 0,5 mm weit freilegen. Mit einer sehr dünnen Lötspitze und feinstem Lötzinn ist es mir dann gelungen, die feine Anschlusslitze wieder mit dem Ende der Schwingspule zu verlöten.

MEV 5 Hochton Verstärker:
Eine grobe Überprüfung der Transistoren des Hochton Verstärkermoduls mittels Ohmmeter und Transistortester zeigte keine auffälligen Bauteile. Es gab keine Unterbrechungen oder verschmorten Widerstande.
Nach Einsetzen der beiden fehlenden Sicherungen war aber eine negative Gleichspannung von -11 V am Ausgang des Verstärkers zu messen. Eine tiefergehende Prüfung der Bauteile mit Ohmmeter und Tester zeigte dann eine defekte Zenerdiode (BZX 79C 6V8, 500mV):

Nach Austausch beider 6V8 Z-Dioden liess sich keine Gleichspannung mehr am Ausgang messen.
280V für die Gegenkopplung des Hochtöners
Die Überprüfung der Hochspannungserzeugung zeigte einen durchgebrannten Hochlastwiderstand.

Die vom Trafo gelieferte Wechselspannung betrug ohne Last 347 V. Da ich keinen Hochlastwiderstand mit 1500 Ohm zur Hand hatte, habe ich erst einmal einen 2200 Ohm Widerstand genommen. Für die weitere Beschreibung nenne ich diesen Widerstand RV. Die Schaltung hinter RV wies keine Anzeichen eines Kurzschlusses oder niedrigen Widerstandes auf. Die drei Transistoren BUX85, BUX87 und BF472 waren laut Transistortester in Ordnung, Auch die Dioden (BY133, ZY130 und ZY150) waren laut Tester in Ordnung. Und doch, sobald ich die Wechselspannung anlegte, begann RV zu erhitzen und nach kurzer Zeit Rauchzeichen abzugeben. Die Spannung hinter RV stieg zu Beginn auf ca 100 V, und sank dann bis auf 60V ab, wobei der Trafo Überlastungsgeräusche von sich gab.

Große Frage: Welches Bauteil hinter RV stellte jetzt einen nicht messbaren Kurzschluss dar ?
Nach Austausch des Kondensators (22uf, 450 V) sowie der 3 Zenerdioden, die die Spannung zusammen auf 430V begrenzen sollen, war das Fehlerverhalten immer noch da. Auch nach kappen der Zuleitung zur dahinterliegenden Schaltung änderte sich nichts.
Das einzige Bauteile, welches noch nicht angefasst war, war die vor RV liegende Gleichrichterdiode BY133 – aber da sagte mein Tester die wäre gut. Trotzdem habe ich die Diode gegen eine verfügbare 1N4007 getauscht.
Große Überraschung: Der Fehler war weg.
Am Stecker zum Hochtöner lagen damit dann auch die 280V Gleichspannung an.
Anscheinend hat die Diode nicht mehr gesperrt und auch die negative Halbwelle durchgelassen, die dann durch den Kondensator gegen Masse geleitet wurde, was zu dem starken Strom durch RV geführt hat.
Und doch noch nicht gut
Nachdem ich noch alle Elkos auf der Steuerplatine erneuert hatte und alles wieder zusammengesteckt ist, gab der Hochtöner zusammen mit den beiden anderen Chassis wieder Töne von sich – allerdings stark verzerrt bei höherem Volumen. Beim Hantieren mit dem Hochtöner hat direkt am 6-poligen Stecker das blaue Kabel einen Bruch erlitten.

Dabei handelt es sich um die negative Zuleitung zur Schwingspule. Erstaunlich war, das der HT doch noch Töne erzeugt hat. Diese scheinen aber durch die Gegenkopplung erzeugt worden zu sein. Diese Konstellation hat dann wohl auch die Endtransistoren des HT Verstärkers in den Tod getrieben. (siehe unten)
Prüfung des Hochtöners
Den Hochtöner habe ich direkt an meinen NAD 3020 angeschlossen und mit meinem PC über die ESI Juli Soundkarte angesteuert. Leise Musik klang dadurch schon mal nicht verkehrt.
Dazu habe ich dann eine Frequenzgangmessung mit REW durchgeführt:

Blau ist der ehemals defekte Hochtöner, grün der HT der anderen Box. Daher würde ich den Hochtöner als Ursache für die Verzerrungen erst mal ausschließen.
Prüfung des HT Verstärkers (MEV5)
Zur schnellen Überprüfung des Hochtonverstärkers (MEV5) habe ich kurzerhand die Anschlüsse umgesteckt auf den Mittenton Verstärker, und mit dem war der Sound jetzt klar und deutlich, ohne hörbare Verzerrungen !
Also muss jetzt noch ein „dynamischer“ Fehler im MEV5 Modul des Hochtöners stecken.
Der Fehler lag jetzt sehr eindeutig: Beide Sicherungen durchgebrannt und die beiden Mosfet Endtransistoren defekt mit niederohmigem Durchgang auf allen Anschlüssen.
Da die Originalbestückung im TO3 Gehäuse (IRF130 / IRF9130) nicht mehr zu kriegen ist, habe ich nach technisch gleichwertigen Typen gesucht und mich für ein Paar IRF530 und IRF9530 von Vishay im TO-220 Gehäuse entschieden. Die passen von den elektrischen Parametern fast 100%, nur das Gehäuse ist sehr unterschiedlich. Aber der Aufwand, diesen Gehäusetyp zu installieren, hält sich in Grenzen, und erfordert keine größeren Umbauten:

Nach Justage von Offset auf 0,2 mV und Einstellung des Ruhestroms auf 90 mA wurde der HT Verstärker wieder eingebaut und spielt mit den neuen Mosfets zur vollsten Zufriedenheit.
Kosmetik – Pflege der Lautsprecher Chassis
Ich verstehe zwar nicht, wie man es schafft, die Aluminium-Kalotten der Mitteltöner und Tieftöner dermaßen einzudellen, dass diese eher einen Knitterlook zeigen, aber was solls…. Es ist nun mal so.
Kalotte des Mitteltöners eingedrückt
Für ein einigermaßen befriedigendes Ergebnis muss die alte Kalotte ausgebaut werden. Wenn man Glück hat, kriegt man irgendwo noch eine passende Ersatzkalotte und klebt die dann ein. Dieses Glück habe ich nicht, die alte Kalotte muss nach Ausbau, Reinigung von den alten Kleberesten und Ausbeulung wieder eingeklebt werden. Nun hat die Trennung von Kalotte und Alu-Membran auch so seine Tücken, denn die Membran soll nachher nicht auch noch zerbeult und zerkratzt sein, deshalb hier mein Vorgehen, dass diese Verschlechterung des Zustandes verhindert.
An Werkzeug verwende ich:
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- Einmalskalpell aus der Apotheke, sehr scharf und sehr Spitz
- Isopropylalkohol pur
- Wattestäbchen, möglichst mit Holzschaft
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Vorgehen:
Mitteltöner ausbauen und sehr gut beleuchtete Arbeitsfläche schaffen. Ich verwende dafür eine LED-Lupenleuchte.
Mit Wattestäbchen den Kleberand um die Kalotte herum mit Isopropylalkohol benetzen, und dieses ca. 10 Min. lang wiederholen. Dann sollte der Kleber schon sehr weich werden.
Mit der Spitze des Skalpells sehr vorsichtig und möglichst ohne die Membran zu berühren den Klebespalt der Kalotte öffnen. Wenn der Kleber noch sehr zäh ist, weiter Isopropylalkohol hinzugeben. Anstatt im ersten Anlauf tief durchzuschneiden, in mehreren Umrundungen das Skalpell immer weiter vorschieben, bis sich die Kalotte löst und abgehoben werden kann.
Kalotte reinigen: Zum Entfernen der Klebereste mit Wattestäbchen wiederholt Isopropylalkohol auftragen und durch Reiben mit benetztem Wattestäbchen vom Aluminium lösen, ggf. mit einer gut greifenden Pinzette die Klebereste abziehen.
Kalotte ausbeulen: Hier ist das Problem, dass die Alufolie der Kalotte sehr dünn und leicht verformbar ist. Bei kleinen Beulen kann man versuchen, durch leichten Druck mit trockenem Wattestäbchen reibend von hinten die Beule wieder rauszudrücken. Bei größeren Beulen oder bei einer durch den Ausbau und Reinigung stark verformten Kalotte ist es hilfreich, eine der Kalotte angepasste Form zu haben, die als Matritze verwendet werden kann, um die Kalotte wieder in die ursprüngliche Form zu bringen. Für die Mitteltöner der BM8 kam ein runder Sahnelöffel zum Einsatz. Suppenlöffel, Glübirnen oder Dekoeier wären weitere Kandidaten für eine solche Form, da muss man mal suchen, was im Haushalt vorhanden ist.
Kalotte wieder einkleben: Zum Einkleben der Kalotte verwende ich UHU Alleskleber. Dieser glasklare und flexibel trocknende günstige Kleber lässt sich durch Spiritus oder Isopropylalkohol wieder lösen, bzw. ungewollte Reste entfernen.

Damit die Kalotte gut aufliegt, beschwere ich die Kalotte nach Einkleben mit kleineren Gewichten (z.B. kleinere Lötzinnrollen). Es kann auch helfen, nach Antrocknen des Klebers (ca. 2 Std.), den Rand der Kalotte vorsichtig auf der Membran anzudrücken.
Tieftöner Kalotte ausbeulen
Die Kalotte des Tieftöners ist sehr viel stabiler als die MT-Kalotte. Um den Ausbau der Kalotte zu vermeiden, nutze ich Klebestifte einer Heißklebepistole und meinen Lötkolben, um die Beulen wieder nach außen zu ziehen. Dabei bleiben zwar leichte Unebenheiten übrig, aber diese haben auf den Klang der Tieftöner keinerlei Auswirkungen, sondern sind lediglich kosmetischer Natur.
Vorgehen:
Mit dem heißen Lötkolben lässt sich die Spitze eines Klebestiftes soweit erhitzen, dass die Spitze des Klebestiftes weich bis flüssig wird. Dazu reicht es, die Spitze des Klebestiftes bis auf Millimeter an den Hitzekörpers des Lötkolbens (berührungslos) zu platzieren. Diese klebende Spitze setze ich in das Zentrum der Beule. Nach kurzer Zeit kühlt die verflüssigte Klebe aus, wird hart und bleibt auf dem Aluminium kleben.

Durch Zug am Klebestift lässt sich die Beule dann herausziehen. Mit leichter Drehung und Zug am Klebestift löst sich dieser irgendwann rückstandslos von der Kalotte. Der Vorgang lässt sich beliebig oft wiederholen, bis das Ergebnis zufrieden stellt.































































































