Endlich eine VFET: Backes & Müller BM8 – Hochton Defekt

Analyse:

  • Anschlußkabel benötigt ein 4-Pol XLR Female Stecker, asymmetrisch beschaltet
  • Beide Boxen gehen nach dem Einschalten in den Standby (Rote LED)
  • Beide Boxen schalten bei Signal ein (Grüne LED)
  • Eine Box gibt das gesamte Spektrum wieder, alle drei Chassis arbeiten
  • Eine Box hat keine Wiedergabe auf dem Hochtton Chassis

Ursachenforschung:

Nach öffnen der ‚defekten‘ Box bietet sich folgendes Bild:

  • Beide Sicherungen (3,15A F) auf dem MEV 5 Modul für den Hochton fehlen
  • Die Hochspannung (280V) fehlt
  • Die Schwingspule des Hochton Chassis hat keinen Durchgang (unendlich), sollte im Normalfall 2,6 Ohm Widerstand messbar sein.

Behebung:

Defekte Schwingspule:

Durch Lösen der 4 Schrauben auf der Frontplatte des Hochtöners lässt sich die Frontplatte vom Magneten trennen und damit die Schwingspule aus dem Luftspalt heben und inspizieren. Rein optisch sieht dort alles gut aus. Es waren keine Brüche oder Überhitzungen bzw. Schmorstellen zu sehen.
Eine genauere Inspektion der Zuleitungen zur Schwingspule auf der Frontplatte zeigte verdächtige grüne Verfärbungen an der Sicke bei der Übergangsstelle vom sehr feinen Anschlussdraht zur Schwingspule. Schon ein leichtes Antippen dieser dünnen Zuleitung machte deutlich, dass dieser sehr feine Draht nicht mehr mit der Schwingspule verbunden war.

Mit Lupe, Nadel und feiner Pinzette ließ sich der grünliche Belag um die Übergangsstelle herum entfernen und das relativ starre Ende der Schwingspule ca. 0,5 mm weit freilegen. Mit einer sehr dünnen Lötspitze und feinstem Lötzinn ist es mir dann gelungen, die feine Anschlusslitze wieder mit dem Ende der Schwingspule zu verlöten.

Abgerissene Zuleitung zur Schwingspule wieder angelötet
MEV 5 Hochton Verstärker:

Eine grobe Überprüfung der Transistoren des Hochton Verstärkermoduls mittels Ohmmeter und Transistortester zeigte keine auffälligen Bauteile. Es gab keine Unterbrechungen oder verschmorten Widerstande.
Nach Einsetzen der beiden fehlenden Sicherungen war aber eine negative Gleichspannung von -11 V am Ausgang des Verstärkers zu messen. Eine tiefergehende Prüfung der Bauteile mit Ohmmeter und Tester zeigte dann eine defekte Zenerdiode (BZX 79C 6V8, 500mV):

Defekte Zenerdiode erzeugt -11V am Ausgang
Defekte Zenerdiode erzeugt -11V am Ausgang

Nach Austausch beider 6V8 Z-Dioden liess sich keine Gleichspannung mehr am Ausgang messen.

280V für die Gegenkopplung des Hochtöners

Die Überprüfung der Hochspannungserzeugung zeigte einen durchgebrannten Hochlastwiderstand.

Der 1K5 5 Watt Widerstand war überlastet
Der 1K5 5 Watt Widerstand war überlastet, Ursache ist defekte Gleichrichterdiode davor

Die vom Trafo gelieferte Wechselspannung betrug ohne Last 347 V. Da ich keinen Hochlastwiderstand mit 1500 Ohm zur Hand hatte, habe ich erst einmal einen 2200 Ohm Widerstand genommen.  Für die weitere Beschreibung nenne ich diesen Widerstand RV. Die Schaltung hinter RV wies keine Anzeichen eines Kurzschlusses oder niedrigen Widerstandes auf. Die drei Transistoren BUX85, BUX87 und BF472 waren laut Transistortester in Ordnung, Auch die Dioden (BY133, ZY130 und ZY150) waren laut Tester in Ordnung. Und doch, sobald ich die Wechselspannung anlegte, begann RV zu erhitzen und nach kurzer Zeit Rauchzeichen abzugeben. Die Spannung hinter RV stieg zu Beginn auf ca 100 V, und sank dann bis auf 60V ab, wobei der Trafo Überlastungsgeräusche von sich gab.

Hochspannungserzeugung -Schaltplan
Hochspannungserzeugung -Schaltplan

Große Frage: Welches Bauteil hinter RV stellte jetzt einen nicht messbaren Kurzschluss dar ?
Nach Austausch des Kondensators (22uf, 450 V) sowie der 3 Zenerdioden, die die Spannung zusammen auf 430V begrenzen sollen, war das Fehlerverhalten immer noch da. Auch nach kappen der Zuleitung zur dahinterliegenden Schaltung änderte sich nichts.
Das einzige Bauteile, welches noch nicht angefasst war, war die vor RV liegende Gleichrichterdiode BY133 – aber da sagte mein Tester die wäre gut. Trotzdem habe ich die Diode gegen eine verfügbare 1N4007 getauscht.
Große Überraschung: Der Fehler war weg.
Am Stecker zum Hochtöner lagen damit dann auch die 280V Gleichspannung an.
Anscheinend hat die Diode nicht mehr gesperrt und auch die negative Halbwelle durchgelassen, die dann durch den Kondensator gegen Masse geleitet wurde, was zu dem starken Strom durch RV geführt hat.

Und doch noch nicht gut

Nachdem ich noch alle Elkos auf der Steuerplatine erneuert hatte und alles wieder zusammengesteckt ist, gab der Hochtöner zusammen mit den beiden anderen Chassis wieder Töne von sich – allerdings stark verzerrt bei höherem Volumen. Beim Hantieren mit dem Hochtöner hat direkt am 6-poligen Stecker das blaue Kabel einen Bruch erlitten.

Bruch der blauen Leitung direkt am Stecker des HT
Bruch der blauen Leitung direkt am Stecker des HT

Dabei handelt es sich um die negative Zuleitung zur Schwingspule. Erstaunlich war, das der HT doch noch Töne erzeugt hat. Diese scheinen aber durch die Gegenkopplung erzeugt worden zu sein. Diese Konstellation hat dann wohl auch die Endtransistoren des HT Verstärkers in den Tod getrieben. (siehe unten)

Prüfung des Hochtöners

Den Hochtöner habe ich direkt an meinen NAD 3020 angeschlossen und mit meinem PC über die ESI Juli Soundkarte angesteuert. Leise Musik klang dadurch schon mal nicht verkehrt.
Dazu habe ich dann eine Frequenzgangmessung mit REW durchgeführt:

Frequenzgang beider Hochtonchassis
Frequenzgang beider Hochtonchassis

Blau ist der ehemals defekte Hochtöner, grün der HT der anderen Box. Daher würde ich den Hochtöner als Ursache für die Verzerrungen erst mal ausschließen.

Prüfung des HT Verstärkers (MEV5)

Zur schnellen Überprüfung des Hochtonverstärkers (MEV5) habe ich kurzerhand die Anschlüsse umgesteckt auf den Mittenton Verstärker, und mit dem war der Sound jetzt klar und deutlich, ohne hörbare Verzerrungen !
Also muss jetzt noch ein „dynamischer“ Fehler im MEV5 Modul des Hochtöners stecken.
Der Fehler lag jetzt sehr eindeutig: Beide Sicherungen durchgebrannt und die beiden Mosfet Endtransistoren defekt mit niederohmigem Durchgang auf allen Anschlüssen.

Da die Originalbestückung im TO3 Gehäuse (IRF130 / IRF9130) nicht mehr zu kriegen ist, habe ich nach technisch gleichwertigen Typen gesucht und mich für ein Paar IRF530 und IRF9530 von Vishay im TO-220 Gehäuse entschieden. Die passen von den elektrischen Parametern fast 100%, nur das Gehäuse ist sehr unterschiedlich. Aber der Aufwand, diesen Gehäusetyp zu installieren, hält sich in Grenzen, und erfordert keine größeren Umbauten:

IRF530 / IRF9530 ideale Ersatztypen
IRF530 / IRF9530 ideale Ersatztypen

Nach Justage von Offset auf 0,2 mV und Einstellung des Ruhestroms auf 90 mA wurde der HT Verstärker wieder eingebaut und spielt mit den neuen Mosfets zur vollsten Zufriedenheit.

Kosmetik – Pflege der Lautsprecher Chassis

Ich verstehe zwar nicht, wie man es schafft, die Aluminium-Kalotten der Mitteltöner und Tieftöner dermaßen einzudellen, dass diese eher einen Knitterlook zeigen, aber was solls…. Es ist nun mal so.

Kalotte des Mitteltöners eingedrückt

Für ein einigermaßen befriedigendes Ergebnis muss die alte Kalotte ausgebaut werden. Wenn man Glück hat, kriegt man irgendwo noch eine passende Ersatzkalotte und klebt die dann ein. Dieses Glück habe ich nicht, die alte Kalotte muss nach Ausbau, Reinigung von den alten Kleberesten und Ausbeulung wieder eingeklebt werden. Nun hat die Trennung von Kalotte und Alu-Membran auch so seine Tücken, denn die Membran soll nachher nicht auch noch zerbeult und zerkratzt sein, deshalb hier mein Vorgehen, dass diese Verschlechterung des Zustandes verhindert.
An Werkzeug verwende ich:

      1. Einmalskalpell aus der Apotheke, sehr scharf und sehr Spitz
      2. Isopropylalkohol pur
      3. Wattestäbchen, möglichst mit Holzschaft

Vorgehen:

Mitteltöner ausbauen und sehr gut beleuchtete Arbeitsfläche schaffen. Ich verwende dafür eine LED-Lupenleuchte.
Mit Wattestäbchen den Kleberand um die Kalotte herum mit Isopropylalkohol benetzen, und dieses ca. 10 Min. lang wiederholen. Dann sollte der Kleber schon sehr weich werden.
Mit der Spitze des Skalpells sehr vorsichtig und möglichst ohne die Membran zu berühren den Klebespalt der Kalotte öffnen. Wenn der Kleber noch sehr zäh ist, weiter Isopropylalkohol hinzugeben. Anstatt im ersten Anlauf tief durchzuschneiden, in mehreren Umrundungen das Skalpell immer weiter vorschieben, bis sich die Kalotte löst und abgehoben werden kann.

Kalotte reinigen: Zum Entfernen der Klebereste mit Wattestäbchen wiederholt Isopropylalkohol auftragen und durch Reiben mit benetztem Wattestäbchen vom Aluminium lösen, ggf. mit einer gut greifenden Pinzette die Klebereste abziehen.

Kalotte ausbeulen: Hier ist das Problem, dass die Alufolie der Kalotte sehr dünn und leicht verformbar ist. Bei kleinen Beulen kann man versuchen, durch leichten Druck mit trockenem Wattestäbchen reibend von hinten die Beule wieder rauszudrücken. Bei größeren Beulen oder bei einer durch den Ausbau und Reinigung stark verformten Kalotte ist es hilfreich, eine der Kalotte angepasste Form zu haben, die als Matritze verwendet werden kann, um die Kalotte wieder in die ursprüngliche Form zu bringen. Für die Mitteltöner der BM8 kam ein runder Sahnelöffel zum Einsatz. Suppenlöffel, Glübirnen oder Dekoeier wären weitere Kandidaten für eine solche Form, da muss man mal suchen, was im Haushalt vorhanden ist.

Kalotte wieder einkleben: Zum Einkleben der Kalotte verwende ich UHU Alleskleber. Dieser glasklare und flexibel trocknende günstige Kleber lässt sich durch Spiritus oder Isopropylalkohol wieder lösen, bzw. ungewollte Reste entfernen.

Uhu Alleskleber
Uhu Alleskleber

Damit die Kalotte gut aufliegt, beschwere ich die Kalotte nach Einkleben mit kleineren Gewichten (z.B. kleinere Lötzinnrollen). Es kann auch helfen, nach Antrocknen des Klebers (ca. 2 Std.), den Rand der Kalotte vorsichtig auf der Membran anzudrücken.

Tieftöner Kalotte ausbeulen

Die Kalotte des Tieftöners ist sehr viel stabiler als die MT-Kalotte. Um den Ausbau der Kalotte zu vermeiden, nutze ich Klebestifte einer Heißklebepistole und meinen Lötkolben, um die Beulen wieder nach außen zu ziehen. Dabei bleiben zwar leichte Unebenheiten übrig, aber diese haben auf den Klang der Tieftöner keinerlei Auswirkungen, sondern sind lediglich kosmetischer Natur.

Vorgehen:

Mit dem heißen Lötkolben lässt sich die Spitze eines Klebestiftes soweit erhitzen, dass die Spitze des Klebestiftes weich bis flüssig wird. Dazu reicht es, die Spitze des Klebestiftes bis auf Millimeter an den Hitzekörpers des Lötkolbens (berührungslos) zu platzieren. Diese klebende Spitze setze ich in das Zentrum der Beule. Nach kurzer Zeit kühlt die verflüssigte Klebe aus, wird hart und bleibt auf dem Aluminium kleben.

Klebestift zum Ausbeulen der TT Kalotte
Klebestift zum Ausbeulen der TT Kalotte

Durch Zug am Klebestift lässt sich die Beule dann herausziehen. Mit leichter Drehung und Zug am Klebestift löst sich dieser irgendwann rückstandslos von der Kalotte. Der Vorgang lässt sich beliebig oft wiederholen, bis das Ergebnis zufrieden stellt.

TT Kalotte nach Ausbeulen
TT Kalotte nach Ausbeulen

 

 

 

QUAD 303 Restauration und Upgrade

Vor ein paar Tagen habe ich 2 QUAD 303 Wracks erworben.

Zustand

Der Zustand ist sowohl optisch als auch technisch niederschmetternd. Aber Herausforderungen sind dazu da, angenommen zu werden.

Frontplatten

Die Faceplates zum Zeitpunkt des Erwerbs aus einem Nachlaß.
Die Faceplates zum Zeitpunkt des Erwerbs aus einem Nachlaß.

Sowohl optisch als auch funktional sind diese Frontplatten nicht mehr zu gebrauchen. Nach diversen Telefonaten (u.a. mit dem sehr freundlichen Herrn Stein von Quad Musikwiedergabe ) hat sich Armand van Ommeren von Quad Revisie in Holland bereit erklärt, mir zwei gebrauchte Faceplates zur Verfügung zu stellen.

Gehäuse

Übersät mit Aufklebern, Kratzern, einigen Roststellen….. benötigen diese sicherlich einen neuen Anstrich. Wie ich den realisieren werde, schiebe ich auf den Zeitpunkt nach der Wiederherstellung der Elektronik auf.

Elektronik

Die Primärsicherung war verbrannt, die Elkos ausgelaufen, das Innenleben der Verstärker stark verschmutzt und zum Teil durch Überhitzung in Mitleidenschaft gezogen. Einfach Einzuschalten habe ich da erst gar nicht probiert.  Allerdings besteht Hoffnung, dass die Leistungstransistoren auf dem rückwärtigen Kühlkörper noch in Ordnung sein könnten.

Ausgelaufene Kondensatoren
Ausgelaufene Netzteilkondensatoren
Angekohlte Netzteilplatine
Angekohlte Netzteilplatine
Verschmutzte und teils korodierte Verstärkerplatinen
Verschmutzte und teils korodierte Verstärkerplatinen
Leistungstransistoren
Leistungstransistoren OK ?

Verbaut sind für das Netzteil ein NEC 2SD555 und vier RCA 38494 für die Endstufen. Anscheinend hat da schon mal jemand repariert. Leider ist der NEC 2SD555 nicht ausreichend dimensioniert . Gegenüber dem Original  RCA 40411 fehlt es deutlich am Kollektorstrom.

Type RCA 40411 NEC 2SD555 MJ802
Uce 90V 250V 100V
Ic 30A 10A 30A
ft 0,8Mhz 15Mhz >2Mhz
Ptot 150W 200W 200W

Die zweite Endstufe nutzt noch die komplett originalen Powertransistoren:
1 * 40411 für das Netzeil und 4 * RCA 38494 für die Endstufen. Glücklicherweise sind diese Transistoren laut meinem Transistortester alle in Ordnung, weswegen ich diese Endstufe zuerst bearbeite.

Der 2SD555 wird von mir gegen MJ802 ausgetauscht. Diese Empfehlung für Transistor Ersatztypen stammt aus dem Blog der Firma Dada-Electronics:

Die von mir genutzten Typen sind in grün hervorgehoben:

  • TR1: 38494 – 2N3055 MJ15003
  • TR2: 38494 – 2N3055 MJ15003
  • TR3: 40411MJ802
  • TR100: BC154BC560 BC214C
  • TR101/TR107: BC109BC109 BC237C BC184K
  • TR102/TR103: U17219BC546B ZTX304
  • TR104: U17229BC556B ZTX504
  • TR105: 38496BC461 2N5322
  • TR106: 38495BC441 2N5320
  • TR200: U17229 – BC556
  • TR210: 38495BC441
  • MR 100/101/105/106 can be replaced by 1N4148

Da ich die Elektronik komplett neu aufbauen werde, muß ich auch die  Transistoren TR100 bis TR210 neu beschaffen.  Tr105, Tr106 und Tr210 (BC461, BC441) sind zum Teil nur sehr teuer zu bekommen. Daher habe ich nach Alternativen gesucht und auch gefunden:

Position Type Pol. Alternative Uce
Tr105 38496 PNP 2N4033 80V
Tr106 38495 NPN 2N3019 80/140V
Tr210 38495 NPN 2N3020/2N3019 80/140V

2N4033 und 2N3019 sind Komplementärpärchen.  Ich habe die Transistoren zusammengesucht, die ein gleiches Uf aufweisen.

Ausmessen der Transistoren
Ausmessen der Transistoren

Neue PCBs ?

Für den Neuaufbau benötige ich neue PCBs. Des öfteren habe ich mit dem Designtool „Eagle“ Schaltungen selbst entwickelt oder existierende Schaltungen von Hand in Eagle nachgezeichnet und ein eigenes PCB Layout erstellt. Dieser Aufwand scheint mir hier jetzt doch zu hoch. Die Suche nach fertigen einzelnen (leeren) PCBs für den Quad 303 in Deutschland/Europa war leider nicht erfolgreich, so daß ich dann doch ein Angebot aus Hongkong für relativ wenige Euros genutzt habe. Die Post war innerhalb von 12 Tagen bei mir.

Neuaufbau

Da es durch den sehr kunstvollen Kabelbaum im Quad 303 zu einer schlechten Kanaltrennung und teils schwer zu handhabenden Einstreuungen kommen kann, habe ich mich entschieden, einem Konzept nach Ideen von Dada Electronics zu folgen, und die neu bestückten Platinen quasi frei fliegend zu verdrahten.

Eine Überarbeitung des Quad 303 Schaltplans dazu findet sich hier

Original Quad 303 PCBs mit Kabelbaum
Original Quad 303 PCBs mit Kabelbaum

Die Idee basiert darauf, die Verbindungen zu den Spannungspunkten 67V, 0V und dem Minuspol der gleichgerichteten Spannung einzeln auszuführen und den Kabelbaum aufzulösen. Das sieht dann im Ergebnis nicht mehr so „schön“ aus, kommt aber den erwünschten audiotechnsichen Verbesserungen zu gute.

Um die drei oben genannten Potentialpunkte gut zugreifen zu können, habe ich eine Art Sammelschiene gebaut, auf der sich drei Sternpunkte mit jeweils 6 Kontakten befinden.

Sammelschiene mit 3 * 6 Kontakten
Sammelschiene mit 3 * 6 Kontakten
Sammelschiene montiert über dem Gleichrichter
Sammelschiene montiert über dem Gleichrichter
Sammelschiene eingebaut
Sammelschiene eingebaut
Neuverdrahtungs-Schema
Neuverdrahtungs-Schema
Netzteil Platine neu bestückt
Netzteil Platine neu bestückt
Verstärker Platine unbestückt
Verstärker Platine unbestückt

Achtung: Nichts ist Perfekt. Der Bestückungsaufdruck der Transistorsymbole hat die Emitternase durchgehend auf der falschen Seite. Die Positionen der Transistoranschlüsse sind aber korrekt.

Verstärkerplatine fertig bestückt
Verstärkerplatine fertig bestückt

Alle Widerstände sind Metallfilm 1% oder 2%, die dicken 0,33 Ohm sind 3W Mox Widerstände. Die Induktivität L100 ist ein Originalteil von Quad aus einem Quad 405 M1 Modul. Es handelt sich um das Quad Teil L12406A (6,8uH), dass ich durch Umbau der 405er M1 Module zu M2 Modulen gewonnen habe. Die Elkos sind Panasonic FC, alle übrigen kleineren Kondensatoren entweder Styroflex, Mika, MKT, MKP oder MKS Typen. Die Dioden sind originale IS920, ebenfalls aus den 405er Umbaumaßnahmen gewonnen.

Montage und in Betriebnahme

Zunächst wird die Stromversorgung aufgebaut. Dazu wird der Gleichrichter installiert und mit dem Trafo verbunden. Der Trafo liefert ca 60-61 Volt Wechselspannung. Nach der Gleichrichtung sollen 83 Volt zur Verfügung stehen.

Verdrahtung Gleichrichter und Trafo
Verdrahtung Gleichrichter und Trafo
Verdrahtung Gleichrichter und Glättungskondensator
Verdrahtung auf der Sammelschiene

Für die Verdrahtung werden 6,3mm und 4,8mm Steckverbinder verwendet.

Gleichrichtung stimmt soweit
Gleichrichtung stimmt soweit
Der Glättungskondensator 4700uf/100V
Der Glättungskondensator 4700uf/100V

 

Alle Module verdrahtet
Alle Module verdrahtet
 
Wilder Drahtverhau
Wilder Drahtverhau
 
 
Die Ausgangselkos: Kemet 10.00uf/63V mit 3,3uf WIMA parallel
Die Ausgangselkos: Kemet 10.000uf/63V mit 3,3uf WIMA parallel
Das neue Frontpanel
Das neue Frontpanel

Die neue Front ist jetzt optisch und funktional wieder ok. Durch Einsatz eines 230V IEC Sockels mit integriertem Schalter und Sicherung kann das freigewordene Loch der Primärsicherung für eine Monacor RCA/Cinchbuchse verwendet werden. Ich verzichte auf die 4 polige DIN Buchse und setze dort die zweite Cinchbuchse ein.

Abgleich

Die Justage der Spannungen und des Ruhestroms erfolgt Dank der 20 Gang Potis sehr schnell und genau.

    1. Einstellung von 67 Volt auf den Verstärkermodulen an den Punkten 1/2 und 8/9 mit dem Poti RV200 auf der Netzteilplatine
    2. Einstellen von 33,5 Volt auf den Verstärkermodulen zwischen dem Punkt 5 und 1/2 oder 8/9 mit den Potis RV100 (jeweils Kanal Links und Rechts)
    3. Einstellen von 7,5 mV auf den Verstärkermodulen zwischen den Punkten 4 und 6 mit dem Poti RV101.  Der Ruhestrom beträgt über den beiden 0,33 Ohm Widerständen dann rund 11,4 mA.

Und was hat es gebracht ?

Zusammenfassung der Meßwerte
Zusammenfassung der Meßwerte

Die Verstärkermodule spielen auf Anhieb. Die Messwerte für Frequenzgang, Rauschen, Distortion und Intermodulation liegen im Bereich kleiner als 0,03%. Erstaunlich ist in meinen Augen,  wie gering die Differenz der Werte zwischen beiden Kanälen ist.

 

Frequenzgang
Verzerrungen und Rauschabstand
THD
Intermodulationsverzerrungen
Intermodulationsverzerrungen

Update vom 26.06.2024 – Anpassung der Eingangsempfindlichkeit

Die originale QUAD 303 Schaltung hat eine Eingangsempfindlichkeit von 500 mV. Das machte einen direkten Hörvergleich zwischen dem 303 und meinen Quad 405 schwierig, da die 405 eine Eingangsempfindlichkeit von 1 V hat. Daher habe ich auch die Quad 303 auf 1V (eff.) umgestellt. Dazu empfiehlt Dada-Electronics folgende Maßnahme:

  1. Verringerung von R108 (22 KΩ) auf 11 KΩ
  2. Vergrößerung von C103 (100 pF) auf 200 pF

Dadurch verbessern sich die Meßwerte ebenfalls:

Verzerrungswerte bei 1V Eingangsempfindlichkeit

Eingesetztes Material / Bezugsquellen

Da die meisten Geräte die ich wieder aufarbeite  mehrere Jahrzehnte alt sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Verschmutzung sehr hartnäckig ist. Meistens handelt es sich um einen schwer zu beseitigenden Nikotinbelag. Nikotin ist ein pflanzliches Alkaloid, das in natürlicher Form eine farblose bis bräunliche ölige Flüssigkeit ist. Trocknet Nikotin ein, bildet sich ein öliger, später fester bräunlicher Film.

Dieser Belag lässt sich sehr einfach mit einem Fettlöser wieder entfernen. Grillreiniger sind ähnlich effektiv. Ich verwende den Fettlöser der Fa. Becher (Idealo Link)

Die Transistoren 2N3019 und 2N4033 gibt es beim Elektronikversand Reichelt sehr günstig für weniger 1 € das Stück. Alle anderen Kleinsignaltransistoren  lassen sich ebenfalls bei Reichelt bekommen.

Der Brückengleichrichter ist ein B420C35A.

Die PCBs habe ich über eBay bei einem Händler in Hongkong geordert. (ebay Link)