MM/MC Phono Vorverstärker Supra 2.0 von Elektor 1982 – Nachbau und Erweiterung

Kombinierte MD/MC Vorverstärker gibt es auf dem Markt sehr viele, die Qualität und Preise variieren da sehr stark. Die hier jetzt vorgestellte Lösung basiert mal wieder auf einer relativ alten Elektor Lösung aus dem Jahre 1982. Das PDF des Originalartikels ist hier Supra_MD_MC_1982_07_Elektor   eingefügt. Die Entwickler bei Elektor haben einen hohen Aufwand getrieben und mit einfachen Mitteln ein sehr gutes Ergebnis erzielt.

Für die Stereo Lösung werden insgesamt benötigt:

  • 40 Transistoren BC550C/BC560C
  • 40 Widerstände
  • 4 Festspannungsregler
  • 16 Elkos
  • 12 Kunststoffkondensatoren
  • Spannungsversorgung (siehe unten)
  • 2 Platinen
  • Anschlußbuchsen etc….
Komplettschaltung Nachbau Supra 2.0
Komplettschaltung Nachbau Supra 2.0

Ursprünglich lässt sich durch Veränderung von zwei Widerständen (R1 und R14) die Empfindlichkeit der Schaltung an MM und MC Tonabnehmer anpassen.

Da es die Platinen von Elektor nicht mehr gibt, habe ich die Schaltung in Eagle ’nachgebaut‘ und einige Ergänzungen an der Gesamtlösung vorgenommen:

  1. Anpassbarkeit von C1/R1 und R14 über ein ‚Mäuseklavier‘
  2. Hinzufügen einer virtuellen Masse, um eine einfache  Versorgungsspannung (mindestens 29V eff. Wechselspannung entsprechend 41V gleichgerichtete Spannung )  in Form einen Trafos in einem externen Steckernetzteil verwenden zu können

Da ich in den Besitz zweier alter, von Hand erzeugter und bestückter Platinen entsprechend dem ursprünglichen Design gekommen bin, konnte ich relativ einfach die Qualität der Schaltung prüfen. Die war, wie zu erwarten, gut. Allerdings liegt die Schwierigkeit einer zufriedenstellenden Lösung nun auch wieder in der Realisierung der Gesamtlösung.

Folgende Probleme traten auf:

Brummeinstreuungen durch den Netzteil-Trafo

Die Nähe des Netztrafos zu den Platinen führte zu starken Brummeinstreuungen. Erst als ich das Netzteil mit +/- 18V relativ weit (mind. 50 cm) von den Platinen getrennt hatte, verschwand der Brumm.

In der Auslegung als MM Pre-Amplifier stellte sich das Problem als nicht so groß dar, aber bei Beschaltung als MC Pre-Amp war der Brumm doch sehr deutlich wahrnehmbar.

Drei Möglichkeiten der Spannungsversorgung !

Meine neu erstellten PCBs erlauben drei mögliche Lösungen für eine Spannungsversorgung:

1. Zuführung von +18/-18V bis +35V/-35V duale Gleichspannung

2. Zuführung von ~13V  bis ~24V dualer Wechselspannung mit Mittenabgriff

3. Zuführung einer singulärer ~26V bis ~48V Wechselspannung und Verwendung von virtual Ground, bzw. Zuführung von 2 * ~26V bis ~48V um jedes Modul einzeln zu versorgen.

Zu 1.  duale Gleichspannung über ein externes Standardnetzteil

Wenn Option 1 verwendet wird, sollten die Komponenten aus Option 2 (Gleichrichtung) und Option 3 (Virtual Ground) nicht installiert werden.

In der ursprünglichen Schaltung werden +/- 15V DC erzeugt. D.h. mit einem Trafo mit 2*15 Volt bis 2 * 26 Volt Wechselspannung und anschliessender Gleichrichtung und Siebung ist man auf der sicheren Seite, da die Festspannungsregler 78L15 und 79L15 einen sicheren Betrieb zwischen 18V min. DC Input und 35 V max. DC Input liefern.

2. Zuführung von ~13V  bis ~24V dualer Wechselspannung mit Mittenabgriff

Achtung: Bei einer dualen Wechselspannung mit gemeinsamen Mittenabgriff darf die Virtual Ground Schaltung NICHT installiert werden

Folgende Komponenten zur Gleichrichtung und Siebung  werden bestückt:

  • D1, D2, D3, D4: Schottky Dioden 1N5189
  • R21, R22, R23, R24: 1,8 Ω
  • C10, C11, C15, C16: 22n
  • C19, C20: 10n
  • C21, C22 : 1000μF/ 35V Alu Polymer Elkos
  • C23, C24 : 100n
  • Fuse 20mm: 100 mA

    Gleichrichterschaltung
    Gleichrichterschaltung

Zu 3. Zuführung einer singulärer ~26V bis ~48V Wechselspannung

Zusätzlich zur Gleichrichterschaltung wird unten stehende Virtual Ground Schaltung installiert. Dieser kleine elektronische Zusatz ersetzt den Mittenabgriff aus Option 2.
Es wird eine Trafospannung mit mindestens 29V AC eff. und bis zu max. 48 V AC eff.  benötigt. Die Pufferelkos müssen die erzeugte Gleichspannung nach der Gleichrichtung ‚abkönnen‘ . Das bedeutet, das die Pufferellkos mindestens 35V DC Spannungsfest haben sollten.
Die Erzeugung einer dualen Spannung aus einer einfachen Trafowicklung wird durch eine kleine Zusatzschaltung mittels  ‚Virtual Ground‘ realisiert.

  • R25, R27: 1kΩ
  • R26, R28: 4k7
  • Q21: ZTX753
  • Q22: ZTX653
Virtual Ground Schaltung
Virtual Ground Schaltung

Für den Aufbau werde ich die Option 3 umsetzen, indem meine Platine dann vollständig bestückt wird.

PCB Board 'Supra 2.0 Nachbau' aus Eagle
PCB Board ‚Supra 2.0 Nachbau‘ aus Eagle

Als Trafo nutze ich einen 3,6VA Trafo der Fa. Gerth (387.48.2 )mit  2 * 24V~ nominal. Die Leerlaufspannung beträgt erstaunlicherweise 34 V AC je Wicklung. Ergibt ca.  34 V * √2 = 48V DC nach Gleichrichtung. Da virtual Ground verwendet wird, halbiert sich diese Spannung, so dass an IC1 und IC2 jeweils ca. 24 V DC anliegen. Da zwei Wicklungen vorhanden sind erhält jeder Kanal damit eine eigene komplette Spannungsversorgung (Dual Mono Aufbau).

Die Verbindung vom Steckernetzteil wird über ein XLR-4 poligen Buchsenstecker zum Phonoverstärker hergestellt.

Zuführung der 2 * 24V Wechselspannung über 4 poligen Neutrik Anschluß
Zuführung der 2 * 24V Wechselspannung über 4 poligen Neutrik Anschluß

Und noch der Vergleich zwischen Original und meiner Fälschung:

Original Supra 2.0 im Layout von Elektor, 1982
Original Supra 2.0 im Layout von Elektor, 1982

 

Meine 'Fälschung' mit den Erweiterungen für das Netzteil
Meine ‚Fälschung‘ mit den Erweiterungen für das Netzteil

Die Realisierung

Für alle signalführenden Widerstände habe ich TAKMAN Metal Film Resistors bei Hifi-Collective in UK bestellt, da diese Widerstände induktionsfrei (anti-magnetisch) sind. Der Preis ist mit 0,55 € je Stück schon ziemlich teuer, aber ich hoffe damit, die Empfindlichkeit der Schaltung gegen Brummeinstreuungen zu reduzieren.

Für die Brückengleichrichtung der Wechselspannung setze ich Schottky Dioden 1N5189 ein, und zusätzlich ein Netzwerk mit 1,8 Ω Widerständen und 22n Kondensatoren, um Störungen der gleichgerichteten Spannung zu minimieren.

Zur Filterung und Glättung der Gleichspannungen kommen Alu-Polymer Elkos zum Einsatz, die gegenüber ‚feuchten‘ Elkos einen deutlich niedrigeren ESR aufweisen und auf Grund des Feststoff-Elektrolytes weniger altern als normale Elkos.

Über das Mäuseklavier lassen sich die variablen Bauteile für den Betrieb an MM oder MC Systemen einstellen.

R1 mit 56kΩ bleibt fest installiert. Zusätzlich dazu lassen sich über die Schalter 5 &  6 zwei Widerstände von 100 Ω und 1kΩ parallel schalten. Damit lassen sich Werte von 90 Ω, 100 Ω , 1 kΩ und 56 kΩ einstellen.

Über Schalter 7 & 8 lassen sich zwei Kondensatoren mit 100pF und 220 pF parallel schalten, so dass Werte für Cx von 100 pF, 220 pF und 320 pF möglich sind, um Magnetsysteme anzupassen.

Über die Schalter 1,2,3 und 4 lässt sich die Verstärkung der Schaltung mit R14 einstellen:

Schalter 4 allein liefert 270 Ω für Magnetsysteme, über die Kombination aller 4 Schalter lassen sich Werte von 10,5 Ω; 11 Ω; 15,5 Ω; 16,5 Ω; 29,5 Ω und 33 Ω einstellen, wodurch die hohe Verstärkung für MC Systeme einstellbar wird. (wie sich diese Werte auf die Verstärkung auswirken, folgt noch)

Die RIAA-Kurve bestimmenden Kondensatoren C4//C6 in Summe 6.600 pF und C5//C7 in Summe 20.000 pF habe ich mit meinem LCR Meter einzeln ausgemessen und damit eine Abweichung von deutlich unter 1% erreicht, so dass die Abweichung von der RIAA Kurve praktisch nicht existiert (Besser als 0,25 dB)

Der Anschluß des Systems erfolgt direkt, ohne einen Koppelkondensator. Einige Hersteller, z.B. alte DUAL Plattenspieler, schalten die Systeme über bewegliche Kontakte, die durch den Supra 2.0 damit auch Teil der Schaltung werden. Dies führt zu hörbaren Schaltvorgängen. (die sich durch einen Koppelkondensator vermeiden lassen ?)

 

 

Messung von Tonabnehmer und Vorverstärker mit Testschallplatte – Rosa Rauschen

In diesem Beitrag will ich kurz einen praktischen Weg vorstellen, die Abstimmung von Plattenspieler, Tonabnehmersystem und Entzerrer-Vorverstärker mit ein wenig PC-Meßtechnik zu vereinfachen, bzw. den Erfolg der Abstimmungen zu überprüfen.

Was wird dazu benötigt:

  1. Eine Meßschallplatte mit Aufnahme von Rosa Rauschen, ich verwende ein Produkt von RMS Audio – Klangerlebnis pur
  2. Tonarmwaage, z.B. eine digitale Waage von Proster, PST052.
  3. VTA und Azimuth Lehre (Gauge) – eine Plexiglas Lehre zur Ausrichtung des Tonarms horizontal und vertikal.
  4. Eine gute Soundkarte mit RCA/Cinch Ein- und Ausgängen
  5. Verschiedene PC-Programme zur Analyse von Audiosignalen:
    1. Software Oszilloscope
    2. Frequenzganganalyser. Ich nutze JustOct und JustDisp vom HiFi-Magazin, aber auch REW, Audacity oder ARTA sollten dafür funktionieren. ARTA wird zwar vom Entwickler nicht mehr gepflegt, ist dafür aber als Freeware im Internet verfügbar
    3. Anpassbarer Phono-Vorverstärker für MC und MM Systeme. Für mich verfügbar sind folgende Geräte:
          1. Pro-Ject Phono Box S2
          2. NAD 1240, NAD 3020
          3. Elektor ‚The Preamp‘
          4. QUAD 66 (MC-Version)
          5. WIIM Ultra Vorverstärker
          6. Elektor SUPRA (noch in Entwicklung)

Die Plattenspieler und Tonabnehmersysteme

Mir stehen zwei Plattenspieler zur Verfügung:

  1. WEGA 3432 – ein DUAL CS 601 im stabilen WEGA Gehäuse mit MM System
  2. Pro-Ject RPM 5.1 mit Ortofon MC System

Ein WEGA 3432/DUAL CS 601 mit  MM System Ortofon M20 E

Nach Erneuern des Riemens,  des Steuer-Pimpels und Dämpfen des Tonarmliftes mit neuem Silikonöl funktioniert dieser 1975/1976 gebaute Plattenspieler DUAL CS 601 mechanisch wieder wie vorgesehen.  Die Abstimmung des Tonabnehmers mit dem Vorverstärker erfolgt durch Einspielen des Ausgangssignals aus dem Vorverstärker in den PC über den Eingang meiner Soundkarte (eine ESI-Juli XT). Auf der Schallplatte gibt es ‚Test mit Rosa Rauschen‘ dessen Kurve mit JustOct aufgenommen wurde und mit JustDisp ausgewertet werden kann. Sehr schön ist die Funktion, mehrere nacheinander aufgenommene Kurven mit JustDisp gleichzeitig darzustellen und Vergleiche anzustellen.

Rosa Rauschen - Frequenzgang des DUAL M20 E Systems am Pro-Ject S2
Rosa Rauschen – Frequenzgang des DUAL M20 E Systems am Pro-Ject S2

Für mich liefert der Abschluß des Vorverstärkers mit 220pF das beste Ergebnis.  Neben dem Zusammenspiel von TA-System und Vorverstärker muss auch das TA-System und der Tonarm mechanisch justiert werden.  Dazu wird sowohl die horizontale als auch vertikale Ausrichtung geprüft und ggf. justiert. Wichtig ist, dass die Abtastnadel  vertikal exakt senkrecht in die Rille eintaucht.
Mit der VTA & Azimuth Gauge lassen sich beide Parameter messen.

Tonarm Ausrichtung horizontal justieren
Tonarm Ausrichtung horizontal justieren
TA-System Ausrichtung vertikal justieren
TA-System Ausrichtung vertikal justieren

Das Datenblatt des Ortofon M20 E gibt eine Auflagekraft von 0,5p – 1,2p an. Die Nadel hat die Bezeichnung DN350, mit elliptischem Schliff. Für die höchste Pegelabtastung habe ich eine Auflagekraft von 1,38g eingestellt. Mit dieser höher als empfohlenen Auflagekraft werden auch 70μm bei Sinus 300 Hz noch ohne Verzerrungen sauber wiedergegeben, was sich mit dem Software Oszilloscope sehr schön überprüfen lässt.

Ein Pro-Ject RPM 5.1 mit Carbon Tonarm und Ortofon Salsa MC System

Die Daten des Ortofon Salsa MC zeigen, dass es sich um ein „Low Output“ Moving Coil System handelt. Die Ausgangsspannung liegt bei lediglich 0,38 mV, im Vergleich zum M20E mit ~ 4mV, also um den Faktor 10 geringer, was aber typisch ist für MC Systeme. Dafür ist der Innenwiderstand des MC Systems aber ebenfalls sehr gering, so dass die Kapazität der Anschlußleitung und die Eingangskapazität des Vorverstärkers keine Rolle spielt. Dagegen sollte der Eingang des Vorverstärkers mit ca. 100 Ω abgeschlossen werden.

Ortofon Salsa mit Rosa Rauschen an verschiedenen Abschlußwiderständen
Ortofon Salsa mit Rosa Rauschen an verschiedenen Abschlußwiderständen

Die Messreihe zum optimieren des Abschlußwiderstandes ist oben zu sehen. Am Preamp sind Widerstände von 20Ω, 50 Ω, 100 Ω und 1 kΩ über ein Mäuseklavier zuschaltbar. Ich habe mich für die Kombination aus 100 Ω und 1 kΩ entschieden, im Ergebnis also 90 Ω.
Darüber hinaus habe ich auch die verschiedenen verfügbaren Vorverstärker ausgemessen. Beeindruckend, wie konsistent die unterschiedlichen Geräte mit dem MC System sehr ähnliche Widergabekurven erzeugen.

Ortofon Salsa an verschiedenen Vorverstärkern
Ortofon Salsa an verschiedenen Vorverstärkern

Lediglich der WIIM Ultra in der Einstellung MC Phono Eingang lässt die Höhen entgegen meiner Referenzkurve vom Elektor Preamp deutlich abfallen.
Aber das lässt sich durch die hervorragende Funktionalität des WIIM Ultra mit einigen wenigen Einstellungen in der zugehörigen App leicht anpassen.
Im WIIM Ultra lassen sich verschiedene Parametrische Equalizer  (PEQ) Einstellungen erzeugen, abspeichern und den einzelnen Eingangsquellen zuordnen. Zur Anhebung der Höhen habe ich einen High Shelf (HS) ab 200 Hz mit +3.0 dB und einer Güte(Q) von 0.1 eingestellt. Dadurch ergibt sich aber eine Überhöhung bei 50 – 400 Hz, die ich durch  eine negative Glockenkurve (PK) mit -2 dB bei 100 Hz und einer Güte (Q) von 0.1 eliminiert habe. Das Ergebnis ist unten in der grünen Kurve zu sehen.