Ein typischer NAD Endverstärker aus den späten 80er Jahren.
Die Daten:
- Hersteller: NAD
- Modell: 2100 PE
- Typ: Endstufe
- Baujahre: 1988 – 1989
- Hergestellt in: Taiwan
- Farbe: Anthrazit
- Leistungsaufnahme: 330 VA
- Abmessungen: 435 x 106 x 385 mm (BxHxT)
- Gewicht: 9,5 kg
- Neupreis ca.: 398 US-$, 800 DM
Anschlüsse
- Anzahl der Eingänge: 2 Cinch Stereo
- NORMAL Input (R=10kOhm, C=600pF; 850mV)
- LAB Input, umgeht die Vorstufe und Lautstärkeregler
- Anzahl der Ausgänge: 2 Lautsprecherpaare, über Relais geschaltet
Technische Daten
- Dauerleistung (bei Klirrfaktor)
- 8 Ohm: 60 W (0,03%)
- Dynamikleistung
- 8 Ohm: 200 W
- 4 Ohm: 250 W
- Gesamtklirrfaktor: < 0,03%
- Dämpfungsfaktor: >100 (8 Ohm, 50 Hz)
- Frequenzgang: 3 Hz bis 80 kHz (+0 / -3 dB)
- Signalrauschabstand: 100/117 dB 1/50 W
- Weitere Daten bei „Hifi-Engine“: [1]
Besondere Ausstattungen
- Brückbar:
- Dauerleistung
- 8 Ohm: 100 W
- Dynamikleistung
- 8 Ohm: 500 W
- 4 Ohm: 660 W
- Dauerleistung
- Bis zu 30 Ampere Spitzenstrom
Das offensichtliche: Lautsprecherrelais mit Kontaktproblemen
Bisher habe ich zwei dieser Geräte auf dem Tisch gehabt. Bei beiden gab es Kontaktprobleme bei den Lautsprecherrelais. Hierfür gibt es 2 mögliche Abhilfen:
1. Kontakt 61 Spray von Kontakt-Chemie
nach dem vorsichtigen Abhebeln der Deckel der Relais lässt sich das Spray problemlos und gezielt an die Kontaktflächen sprühen. Nach mehrmaligem betätigen der Lautsprecher-Umschalter verschwinden die Aussetzer komplett. Dies funktioniert allerdings nur, wenn die Relais vom Gehäuse her auch geöffnet werden können, ansonsten siehe 2.

2. Ersatz der LS-Relais
Die von NAD eingesetzten Relais, laut Service Manual Typ VB-24MB-TV3 von Takamisava (5A, DPST, 24V=, NO), sind in meinem Gerät nicht drin, statt dessen leider nicht identifizierbare Typen. Als Ersatz kommen hier in Deutschland die 2 poligen Versionen aus der OMRON G2RL Serie in 24V in Frage, also die Typen G2RL-2A(-HA, -PW1), G2RL-2A4. Ebenfalls in Frage kommen die Typen G2RL-2(-HA, -PW1), G2RL-24, G2RL-2-ASI, allerdings müssen dann die Pins 1 und 2 entfernt werden. Vorteil der OMRON G2RL Serie ist eine erhöhte Belastbarkeit von 8A.
Bei Ersatz der Relais sollte man allerdings auch die Treiberseite im Auge behalten. Die Relais werden über die Widerstände R627 und R631, je 470 Ω, mit 24 Volt Spannung und ca. 30 mA versorgt, was einer Treiberleistung von ca. 700 mW entspricht. Beide Widerstände sitzen auf der kleinen Platine an der Vorderseite bei den Bedienelementen. Die G2RL Relais dagegen haben eine Treiberleistung von 400 mW bzw. nur 250 mW für die High Sensitivity Modelle. Für die Relais mit 400mW sollten R627 und R631 auf 770 Ω (820 Ω) und bei 250 mW auf jeweils 1200 Ω geändert werden.

Und wenn Transistoren kaputt sind ?
Dann wird es schwieriger und zeitraubend, denn insgesamt sind im NAD 2100 65 Transistoren verbaut. Darüber hinaus ist die Qualität des NAD 2100 Service Manuals eher schlecht. Baugleiche Modelle, was den Endstufenteil betrifft, sind im NAD 7100 (Receiver) und im NAD 3100 realisiert. Das Service Manual vom 3100 ist deutlich besser, denn dort sind neben der Schaltung auch Spannungswerte angegeben.
Es gab mehrere Baustellen, bzw. defekte Halbleiter. Um im Falle eines defekten NAD 2100 überhaupt voranzukommen, ist es erforderlich, einen Strombegrenzer in die 220V Leitung einzubauen. Dazu verwende ich eine 220V 60W Glühbirne in der Zuleitung. Am Verhalten der Lampe lässt sich auch relativ gut erkennen, ob es gravierende Fehler gibt, z.B. Kurzschlüsse, oder ob der Verstärker sich relativ normal verhält. In der Regel leuchtet die Birne direkt beim Einschalten für wenige Sekunden stark auf, bis die Elkos aufgeladen sind. Danach glimmt die Lampe nur noch dunkel.
Ohne ein Spannungsmessgerät geht gar nichts. Der NAD 2100 hat eine Schutzschaltung, die intern die Spannungen überwacht und bei Fehlersituationen die Lautsprecherrelais abschaltet, so dass die Lautsprecher keinen Schaden nehmen. Wenn alles in Ordnung ist, leuchtet die Protection LED beim Einschalten für einige Sekunden. Erlischt die LED und es lässt sich ein leichtes Klicken vernehmen, ist erstmal alles in Ordnung und die Lautsprecherrelais schalten frei.
Aber auch in diesem Fall heisst das nicht, dass intern wirklich alles in Ordnung ist. Auf dem linken Kanal war alles korrekt, aber auf dem rechten Kanal lagen ca. 1 V Gleichspannung auf der Lautsprecherklemme. Die Ursache dafür zu finden war ziemlich aufwendig, denn ich bin von hinten nach vorne vorgegangen und der Fehler lag vorne im Bereich der Differenzverstärker, die aus den Transistoren Q401 und Q403 gebildet werden. Bei Q401 handelt es sich um einen Dual Transistor 2SA1239G / PNP und Q403 Dual Transistor 2SC3066G / NPN. Defekt war ein Transistor im Q403. Diese sechsbeinigen Transistorpaare mit Originalteilen zu ersetzen, ist fast unmöglich, bzw. unverhältnismäßig teuer. Als Ersatz habe ich statt dem 2SC3066G vorhandene 2SC1845 Transistoren eingesetzt, wobei ich aus einer größeren Anzahl 2 Exemplare mit weitgehend identischer Gleichstromverstärkung selektiert habe. Sollte der 2SA1239G defekt sein, können dafür Transistoren 2SA992 eingesetzt werden.
Bei vermuteten defekten Transistoren im Leistungsteil sollte man als ersten Schritt alle Transistoren am Kühlkörper lösen und auslöten und mit einem Transistortester prüfen. Wenn Q425 /Q426 – 2SC3423Y – OK sind, sollte nur der wieder eingelötet werden.
Danach kann man das Gerät über die Glühbirne wieder einschalten. Wenn dann die Protection nicht aktiv bleibt, kann man messen, ob auch wirklich 0V (+- 0,1V) an den Lautsprecherklemmen anliegen.
Ist das nicht der Fall, kommt man nicht drum herum, jeden einzelnen Transistor im betroffenen Kanal zu überprüfen, also auszulöten und mit dem Transistortester prüfen. Dioden können mit einem Multimeter in der Schaltung geprüft werden. In Flußrichtung müssten über die Dioden ca. 0,6 – 0,7V Gleichspannung anliegen.
Wenn also ohne die Leistungstransistoren alle Spannungen erst mal soweit korrekt sind, können die Leistungstransistoren wieder installiert werden. Einige der Leistungstransistoren sind allerdings nicht mehr erhältlich, daher führe ich in der Tabelle unten auf, welchen Ersatztypen in meinem Fall erfolgreich eingesetzt wurden.
| Device | Polarität | Originaltyp | Ersatztyp | Lieferant |
| Q425, Q426 | PNP | 2SC3423Y | 2SC3423Y | Kessler Elektronik |
| Q433, Q434 | PNP | 2SA1011E | 2SA968B | Kessler Elektronik |
| Q435, Q436 | NPN | 2SC2344E | 2SC2238 | Kessler Elektronik |
| Q437, Q438 | PNP | 2SA1302 2SA1386 |
2SA1943 | Kessler Elektronik |
| Q439, Q440 | NPN | 2SC3281 | 2SC5200 | Kessler Elektronik |
| Q441, Q442 | NPN | 2SD1238LS | 2SD1047 | Kessler Elektronik |
| Q443, Q444 | PNP | 2SB922LS | 2SB817 | Kessler Elektronik |
Farbenlehre zur Tabelle: Kessler hat die Transistoren im Angebot, die der gleichen Farbe entsprechen. Grün sind alle Typen, die ich eingesetzt habe. Schwarz sind alle Typen, die im Original eingesetzt sind.


